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Die Briefwahl, ein Auslaufmodell

Bei der vergangenen Bundestagswahl vor vier Jahren hat etwa jeder fünfte Wahlberechtigte seine Stimme per Briefwahl abgegeben. Dieses Mal, das steht jetzt schon fest, wird die Quote abermals nach oben gehen. Meinung Rolf Seydewitz

Die Region Trier liegt dabei voll im Trend. Die Zahl der Briefwähler nimmt kontinuierlich zu, heißt es unisono von den Wahlleitern.
Im Wahlkreis Trier wird bei der diesjährigen Bundestagswahl bereits jeder dritte Stimmzettel vor dem eigentlichen Wahltag ausgefüllt worden sein. Das ist rekordverdächtig. Und wäre so vor einigen Jahren noch gar nicht denkbar gewesen.
Denn die Briefwahl gibt es in Deutschland erst seit gut 50 Jahren. Sie wurde einst eingeführt, damit auch körperlich beeinträchtigte Menschen problemlos an der Wahl teilnehmen können.
Wer seine Stimme im Vorfeld per Brief abgeben wollte, musste dies bis vor einigen Jahren begründen. Seit diese Schranke weggefallen ist, gibt es bei jeder Wahl mehr Briefwähler. Parallel dazu sinkt die Wahlbeteiligung - allein von der vorletzten zur letzten Bundestagswahl um satte neun Prozentpunkte auf 72 Prozent.
Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass auch dieser Abwärtstrend weitergehen wird, die Wahlbeteiligung in diesem Jahr wohl unter die 70-Prozent-Marke fallen dürfte.
Gäbe es die Briefwahl nicht, wäre der Wert noch deutlich schlechter, würde vermutlich in Deutschland nur noch jeder zweite Wahlberechtigte auch von seinem Stimmrecht Gebrauch machen. Das wäre tatsächlich ein Armutszeugnis.
Dabei ist die augenblicklich so beliebte Briefwahl selbst ein Auslaufmodell. Sie wird in nicht allzu ferner Zeit von einer Internetwahl abgelöst werden, bei der sich der wahlberechtigte Bürger etwa über eine digitale Signatur ausweisen muss. Spätestens ab diesem Zeitpunkt dürfte die Stimmabgabe im Wahllokal nur noch etwas für Nostalgiker sein.
r.seydewitz@volksfreund.de