Die Debatte um Klimaschutz findet nicht mehr statt

Die Woche im Blick : Der große Klima-Krach

Es ist alles so einfach. Die einen sagen: Wer SUV fährt, ist ein Umweltschwein, wer nicht auf Fleisch verzichtet, nimmt den Untergang der Welt in Kauf. Die anderen behaupten: Wer freitags protestiert, will nur die Schule schwänzen, wer für schärfere Regeln beim Aus­stoß von Kohlendioxid ist, sorgt für Arbeitslosigkeit.

Die Diskussionen über den Klima-Kompromiss der Bundesregierung, aber auch über Greta Thunbergs UN-Auftritt zeigen: Der Austausch von Argumenten wird von vielen verweigert. Und dies sehr oft im Sinn der angeblich richtigen Sache. Das Gefährliche: Solche Debatten haben das Potenzial, unsere immer noch gut funktionierende Gesellschaft zu spalten.

Etwa zwischen Stadt und Land oder zwischen Radfahrern und Autofahrern: Da jammern die einen meist mit dem Blick aus der mit Bussen gut versorgten Stadt, dass die Erhöhung der Pendlerpauschale zu mehr Autoverkehr führt. Grünen-Chef Robert Habeck erwies sich als besonders weltfremd. Ein Interview machte deutlich: Ihm war nicht einmal bewusst, dass die Pauschale für alle gilt, egal ob sie Auto oder Bus und Bahn nutzen. Haben Sie beobachtet, wie über Artikel zu Verkehrsverstößen etwa bei Facebook diskutiert wird? Da sind Autofahrer bei den einen potenzielle Mörder, Fahrradfahrer dagegen bei den anderen Verkehrsrüpel. Wenn die Welt so wäre, müsste die Zahl der Verkehrstoten Jahr für Jahr steigen. Glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall. Und ganz offen: Es ist durchaus möglich, in den Städten bessere Angebote für Radfahrer zu erreichen und Autofahrer müssen dabei auch zurückweichen. Gerade in einer Region wie unserer wird das Auto, egal wie angetrieben, aber weiter eine entscheidende Rolle spielen.

Auch zwischen Klima-Aktivisten und vielen Wirtschaftsvertretern gibt es wenig sinnvollen Austausch: Die einen fordern, den Ausstoß von Kohlendioxid radikal zu begrenzen und etwa Inlandsflüge zu verbieten. Die anderen lehnen genauso vehement alles ab, mit Blick auf die Auswirkungen von Insellösungen. Diese zeigten sich übrigens tatsächlich bei der Energiewende. Wir können derzeit nicht auf Strom aus dem Ausland verzichten. Vereinfacht: Unser Atomausstieg führt dazu, dass wir zum Erhalt der Kernkraft in anderen Ländern beitragen, mit teils niedrigeren Sicherheitsbestimmungen. Das schnelle Aus für die Kohlekraft könnte diesen Effekt verstärken. Ähnliches droht uns, wenn unsere Industrie durch schärfere Auflagen schwächelt. Je mehr Stahl anderswo erzeugt wird und nicht in Deutschland, desto umweltschädlicher wird dessen Produktion werden.

Nichts zu tun, wäre andererseits ebenso falsch. Es ist aber wichtig, alle Auswirkungen im Blick zu haben und Innovationen zu fördern: für eine erfolgreiche Wirtschaft und für Umweltschutz. Für die radikalsten Forderungen – etwa nach der schnellen Abschaffung aller Autos – gibt es zudem weder eine demokratische Grundlage durch Wahlen, noch eine sinnvolle Begründung. Und wer darüber nachdenkt, unsere Marktwirtschaft aufzugeben, sollte einmal 30 Jahre zurückblicken. Umweltschutz spielte in sozialistischen Ländern wie der DDR praktisch keine Rolle.

t.roth@volksfreund.de