| 18:01 Uhr

Die Woche im Blick
Lesen? Bestätigen. Weiterlesen.

FOTO: TV / Friedemann Vetter
Die neue Datenschutz-Grundverordnung gilt ab 25. Mai. Doch was steckt dahinter? Bürokratisches Ungetüm, Hilfe für Verbraucher, eine Gefahr für Vereine und kleine Firmen? Noch ist vieles offen. Von Thomas Roth

Haben Sie in den vergangenen Wochen noch mehr E-Mails als sonst bekommen? Das zeigt zumindest eines: Die Unternehmen wollen bei der neuen Datenschutzgrundverordnung der EU nichts verkehrt machen. Kein Wunder: Es drohen, zumindest im Wiederholungsfall und bei großen Vergehen, Millionenstrafen. Daher gilt: Die DSGVO – so die Abkürzung – wirkt.

Aber hilft sie wirklich den Verbrauchern? Seien Sie ehrlich: Haben Sie wirklich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzhinweise gelesen, bevor Sie diese bestätigt haben? Zugegeben: Hinter der neuen Regelung steckt ein guter Gedanke. Alle Bürger sollten stets zustimmen, wenn ihre Daten gesammelt werden – und gerade bei persönlichen Daten sollten Grenzen sehr strikt gezogen werden. Doch wer etwa denkt, dass die großen Internetkonzerne nun diejenigen sind, die am meisten vor den Auswirkungen der neuen Regeln zittern, der irrt. So hat etwa der Skandal um Facebook und Cambridge Analytica wenig mit dem Datenschutz und vor allem wenig mit persönlichen Daten wie Namen und Adressen zu tun. Hier ging es um die Frage, wie weit auf den Einzelnen zugeschnittene Werbung gehen darf. Das alles funktioniert mit Profilen, mit bereits anonymisierten Daten. Doch wo sind hier die roten Linien? Was ist etwa bei Wahlwerbung erlaubt? Oder um ein krasses Beispiel zu wählen: Darf einem Alkoholiker gezielt Werbung für Schnaps gezeigt werden? In der schönen neuen Welt gibt es, das ist abzusehen, noch viel zu regulieren – abseits der DSGVO. Und es gibt Diskussionen, die eine Gesellschaft offen führen muss – ohne Schaum vor dem Mund, ohne Angst vor der Digitalisierung und doch mit Blick für die vielen neuen Chancen, aber auch Risiken.

Mit der DSGVO könnten stattdessen gerade kleine Firmen und auch Vereine ins Visier geraten. Daher ist es wichtig, dass einerseits die Problematik noch stärker ins Bewusstein gerückt wird und andererseits die Aufsichtsbehörden bei möglichen Strafen zurückhaltend agieren. Wenn das nicht der Fall ist oder gar Abmahnanwälte ein neues Geschäft entdecken können, das nicht als Erstes die Verbraucherinteressen, sondern vor allem das Füllen des eigenen Geldbeutels im Blick hat, dann wird nur eines befeuert: der Frust über die EU und deren Regulierungen sowie der Ärger darüber, dass gut gedacht eben nicht immer gut gemacht bedeutet.

Noch kurz zum Datenschutz in eigener Sache: Sie haben möglicherweise in den vergangenen Wochen auch Post aus unserem Haus erhalten. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns die Gelegenheit geben, Sie weiter zu informieren. Dazu ist es aber in vielen Fällen notwendig, dass Sie uns Ihr Einverständnis dazu noch einmal erteilen. Bei Fragen nutzen Sie die angegebenen Kontaktmöglichkeiten – die Kolleginnen und Kollegen geben Ihnen gerne Auskunft dazu. Und natürlich freue ich mich ebenfalls, wenn ich mit Ihnen in Kontakt bleiben kann. Etwa mit meinem neuen Newsletter, der Sie jeden Freitag erreichen kann. Zumindest wenn Sie sich unter www.volksfreund.de/ab-ins-wochenende anmelden. Und wenn Sie dies dann noch bei Erhalt einer Mail bestätigen, ist allen neuen Regeln Genüge getan.

t.roth@volksfreund.de