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Meinung
Die Griechenland-Rettung – doch kein Fass ohne Boden

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Berlin. Man werfe den griechischen Taugenichtsen nur gutes deutsches Geld hinterher, buchstäblich in ein Fass ohne Boden. Das ist der Gründungsmythos der AfD, und das wirkt bis heute nach. Von Werner Kolhoff

Etwa wenn CSU-Mann Markus Söder die Verabredung von Angela Merkel und Emmanuel Macron für einen Eurozonen-Haushalt als „Schuldengemeinschaft“ angreift. Doch diese Sorge ist im Fall Griechenland klar widerlegt. Von Irland und Portugal nicht zu reden. Mit den Kredithilfen wurde nicht nur erreicht, dass der Euro nicht kollabierte. Was für die deutsche Wirtschaft und ihre Arbeitsplätze enorm wichtig war. Oder dass die Europäische Union zusammenblieb. Deutschland hat damit sogar noch Geld verdient – 2,9 Milliarden Euro.

Die Kritiker müssten an dieser Stelle eigentlich sagen: Wir haben uns geirrt. Das werden sie nicht tun – sondern mit einem gewissen Recht darauf verweisen, dass die Rettungsoperation noch nicht beendet ist. Zwar kann sich Griechenland seit gestern wieder allein an den Finanzmärkten mit Krediten versorgen. Doch hat es immer noch eine exorbitant hohe Schuldenaltlast und große strukturelle Probleme. Gut ist noch nichts. Und ein Goldesel wird aus Griechenland nicht mehr werden. Das stimmt.

Dass aber Merkels Modell – Kredite gegen Reformbereitschaft – für die deutschen Steuerzahler zu riskant gewesen wäre, das stimmt eben nicht.

Wenn dieses Modell noch ergänzt werden würde um einen Schuldenschnitt, wie ihn der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert, und um Investitionshilfen, wie sie Macron angeregt hat, könnte es sogar noch viel schneller vorangehen mit der Erholung an der Ägäis.

Klar, dass beide Instrumente für die Kritiker genauso Teufelszeug sind wie einst die Kredite. Manchmal hat man den Eindruck, weil sie recht behalten wollen. Fass ohne Boden ist halt viel plakativer.


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