1. Meinung

Die Großregion ist tot, es lebe die Großregion!

Die Großregion ist tot, es lebe die Großregion!

Bürger müssen Europa von klein auf erleben.

Wissen Sie noch, was Ma-Mo-Sa ist? Nein? Macht nichts, die Politiker auch nicht. Dabei hatten diese doch vor genau 15 Jahren diesen scheinbar genialen Einfall. Denn so sollte einmal die Großregion heißen, nachdem das Namensmonstrum Saar-Lor-Lux/Rheinland-Pfalz/Wallonie für niemanden mehr auszusprechen war, aber alle an der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit teilhaben wollten. Ein Namenswettbewerb war sogar damals ausgerufen worden, um die Bevölkerung mit einzubeziehen und die Großregion erlebbar zu machen.
Am Ende ging alles den Bach runter, weil sich die einzelnen Teilregionen nicht genug bei der Namensgebung gebauchpinselt fühlten, und das Konstrukt machte seinem Namen als Debattierklub alle Ehre. Seitdem dümpelt die Großregion wie ein schwerer Meeresdampfer über den Ozean. Sie kommt voran, aber langsam und ohne Dynamik, sie trotzt dem ein oder anderen Sturm, aber ohne große Orientierung. Auf der Brücke herrscht Entscheidungsschwäche oder geordnete Nichtzuständigkeit, die Besatzung agiert meist ohne klare Ansage ihrer Vorgesetzten.
Die Bewohner der Großregion haben folglich in den vergangenen Jahren genau das gemacht, was sie auch in den vorangegangenen Jahren und Jahrzehnten mit politisch unterschiedlichsten Motivationen getan haben. Sie haben die Politik Politik sein lassen, sich vielfach mit dem Vorhandenen arrangiert und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgeschöpft - allerdings ohne Leidenschaft für die Sache.
Wenn sich nun eine neue Initiative zur Wiederbelebung der Großregion auf den Weg macht, so ist dies mehr als löblich. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit erfahrbar zu machen und das Gemeinsame an Werten herauszuarbeiten, ist letztlich der Kern des europäischen Integrationsgedankens. Der Erfolg einer solchen Initiative wird sich aber wiederum daran messen lassen müssen, wie stark die Bürger von klein auf die Großregion erleben und begreifen. Es wäre schade, wenn erneut mehr Verdruss als Euphorie übrig bliebe.

s.schwadorf@volksfreund.de