1. Meinung

Die Großwetterlage ist trüb

Die Großwetterlage ist trüb

Diese Nachricht kurz vor Weihnachten sorgte nicht nur bei den betroffenen Spielerinnen für Verblüffung. Der FSV Kroppach, Inbegriff der deutschen Spitze im Frauen-Tischtennis, zieht sich nach der laufenden Saison aus dem Bundesliga-Spielbetrieb zurück.

Nicht aus finanziellen Gründen, nicht aus sportlichen Gründen. Der Serienmeister hat nicht mehr genügend ehrenamtliche Mitarbeiter. Viele der bisherigen Helfer, die unter anderem die Halle für die Heimspiele herrichteten, sind im Rentenalter und können oder wollen nicht mehr weitermachen. Nachfolger haben sich keine gefunden.
Auch abseits des Lichts der Öffentlichkeit kämpfen Sportvereine ums Überleben. Es ist das Resultat vieler Faktoren. Bindungskräfte sinken. Gemeinsinn verliert an Bedeutung. Eine Kundenmentalität verdrängt den Solidargedanken. Das sind nicht von der Hand zu weisende gesellschaftliche Entwicklungen, die alles andere als positiv sind.
Aber gleichzeitig ist es nicht so, dass die Menschen grundsätzlich die Lust an ehrenamtlicher Arbeit verloren haben. Das belegen immer wieder Untersuchungen, die die Bereitschaft zu unentgeltlichem Engagement abfragen. Und in Deutschland leisten ja auch Millionen Menschen ehrenamtliche Dienste, ohne die viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens nicht funktionieren würden.
Doch die Rahmenbedingungen für die Ausübung ehrenamtlicher Arbeit haben sich deutlich verschlechtert. Unter anderem im Sport. Mehr Stress im Beruf und in der Schule. Dazu das gestiegene Fachwissen, über das zum Beispiel Vereinsvorstände verfügen müssen, um sich im Dschungel von Paragrafen und Vorschriften zurechtzufinden.
Vereine und Verbände können manche Baustellen selbst schließen, indem sie ihre Ehrenamtlichen besser wertschätzen und vielfältige Schulungsangebote machen. An der Großwetterlage, die derzeit eher trüb ist, können sie aber nichts ändern. Hier sind andere am Zug.
Politiker heben in Sonntagsreden gerne das Ehrenamt hervor. Sie haben es in der Hand, mit Taten dafür zu sorgen, dass das bürgerschaftliche Engagement auch künftig die unabdingbare Grundlage einer Gesellschaft bilden kann.
m.blahak@volksfreund.de