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Meinung
Die Kirchen und das Recht, ihr Personal auszuwählen

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Bei der CDU käme niemand auf die Idee, in führender Position ein SPD-Mitglied zu beschäftigen. Und umgekehrt gilt das selbstverständlich genauso. Warum sollten also die Kirchen anders verfahren müssen als die Parteien, zumal es bei ihnen nicht nur um Haltung und Überzeugung geht, sondern auch noch um den religiösen Glauben? Von Hagen Strauss

Bei der Stellenbesetzung die Konfession von Bewerbern zu berücksichtigen ist grundsätzlich legitim, hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Richtig so. Religiöse Gemeinschaften müssen das Recht haben, besonders für wichtige inhaltliche Aufgaben Menschen zu beschäftigen, die sich eindeutig mit der Gemeinschaft identifizieren – und sie sollen sie auch wieder entlassen können, wenn ihr Verhalten einen erheblichen Widerspruch dazu aufweist. Das entspricht auch der Erwartung vieler Menschen an kirchliche Einrichtungen. Zum Beispiel von Eltern, die ihre Kinder in einen konfessionellen Kindergarten schicken. Die meisten wollen dann auch, dass die Religion in die Erziehungsarbeit des Personals einfließt.

Zu einfach dürfen es sich die Kirchen aber nicht machen, weil der Grat zur Diskriminierung nun einmal schmal ist. Das ist die zweite Botschaft des gestern verkündeten  Urteils.

Die Ablehnung eines Bewerbers oder die Kündigung eines Arbeitnehmers muss „wesentlich, rechtmäßig und gerechtfertigt sein“. Das Urteil setzt den Kirchen damit klar Grenzen, so dass Betroffene nun beim Arbeitsgericht überprüfen lassen können, warum ausgerechnet für ihre Stelle die Religionszugehörigkeit zwingend notwendig sein soll.

Auch das ist gut so. Denn die Kirchen selber können nicht mehr genau sagen, bei welchen Jobs für sie eigentlich die Loyalität konkret anfängt und wo sie aufhört. Schon jetzt wird in Pflegeinrichtungen oder Krankenhäusern häufig nicht mehr auf die Konfession geachtet, weil auch die Kirchen für ihre Einrichtungen dringend Personal benötigen. Auch das greift das Urteil auf.

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