Die Kosten der Vereinzelung

Die Kosten der Vereinzelung

So sieht ein ganz normaler Trierer Altbau aus: Unterm Dach wohnt der Student. In den ersten Stock zieht bald ein 32-Jähriger aus dem Norden ein, der in Luxemburg einen gut bezahlten Job gefunden hat.

Im Erdgeschoss lebt eine alte Dame. Und das Hinterhäuschen ist an eine Grundschullehrerin vermietet, die wegen ihrer Fernbeziehung viel reist. Ein großes Haus. Vier Bewohner. Vier Bewohner, die ihren Teil zum Trend der gesellschaftlichen "Versingelung" beitragen. Soll man es ihnen vorhalten?
Schließlich hat jede Ursache ihre Wirkung. Und die sind nicht alle positiv. Dass in Trier (und in vielen anderen Städten) so viele und immer mehr Menschen alleine leben wollen, erhöht logischerweise den Druck auf den Wohnungsmarkt. Die Mieten steigen. Vermieter können sich fast alles erlauben. Und Familien finden in der Stadt nur mit Mühe bezahlbaren Wohnraum.
Auch der Ressourcenverbrauch muss durch die vielen Singlehaushalte zwangsläufig steigen: Die Heizungen laufen und Lampen brauchen Strom - auch, wenn nur einer davon profitiert. Zudem kauft jeder sein eigenes Auto, seine eigene Spülmaschine, sein eigenes Bett. Ökonomisch ist das prima. Ökologisch nicht so sehr. Ähnlich zu bewerten ist die Tatsache, dass durch die Zunahme der Einpersonenhaushalte trotz des Bevölkerungsrückgangs immer mehr Wohnraum benötigt wird - der vielerorts aber erst noch geschaffen werden muss. Womit die Singles der Bauwirtschaft gut tun, gleichzeitig aber zur weiteren Zersiedelung beitragen. Und was soll nur werden, wenn die alle mal alt sind?
Aber kann man "den Singles" das alles wirklich vorwerfen? Oder sie gar als Sozialschmarotzer bezeichnen? Nein! Das wäre ungerecht. Diejenigen, die nicht nur alleine wohnen, sondern auch alleine sind (so wie die alte Dame im Erdgeschoss), würden sich in vielen Fällen etwas anderes wünschen. Nur gibt\'s nette Partner nicht im Supermarkt. Diejenigen, die eine Fernbeziehung führen (so wie die Lehrerin im Hinterhaus), würden vielleicht lieber zweisam leben. Können es aber nicht, wenn sie ihre berufliche Sicherheit behalten wollen. Und kann man es Frauen verübeln, dass sie heute lieber selbst für ihre Rente sorgen, statt für eine Beziehung alles hinzuschmeißen? Sicher nicht. Und der 32-Jährige? Der will vielleicht erst mal Karriere machen und Geld verdienen, um dann in ein paar Jahren eine Familie zu gründen. Und wer heute Karriere machen will, der sollte flexibel sein. Bleibt der Student. Gut möglich, dass der tatsächlich alleine leben will. Na und? Das ist zum Glück sein gutes Recht.
k.hammermann@volksfreund.de