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Die Woche im Blick
Kommt zu uns!

FOTO: Friedemann Vetter / TV
Gute Nachrichten aus Trier – die neue Jugendherberge wird noch mehr junge Menschen anlocken. In dieser Woche ging der Blick nach vorne, für Touristiker, aber auch etwa im Handel. Von Thomas Roth

Wer mit Tourismusexperten über unsere Region spricht, der staunt. Da geht es kaum mehr um die Frage, ob in den nächsten Jahren etwa mehr Besucher nach Trier kommen – das sei Fakt –, sondern vor allem darum, wer kommen soll. Kann die Stadt mehr Tagestouristen aufnehmen? Und wie lassen sich Gäste anlocken, die länger unsere Region genießen wollen?

Mit Blick auf die vielfältigen Angebote in der ganzen Region – Museen von Weltrang, attraktive Wanderstrecken, innovative Winzer – muss es Ziel sein, noch stärker auf Qualität zu setzen. Das bedeutet übrigens nicht, dass nur noch Millionäre angelockt werden sollen – die Region muss nicht mit den sprichwörtlichen goldenen Hähnen reizen. Historische Stätten und die liebenswerte Landschaft an der Mosel, in der Eifel und im Hunsrück sind anziehend. Doch eines ist sicher. Das alleine reicht nicht. Wer etwa seit 30 Jahren auf dieselben Plastikstühle im Garten und auf Sanitärräume im 70er-Jahre-Stil setzt, der muss sich nicht wundern, wenn er nur einige wenige Geiz-ist-geil-Gäste findet.

Der Streit, ob Tagestouristen eine attraktive Zielgruppe sind, ist nicht neu – hier ist Differenzierung entscheidend. Die Familie, die zu uns zum Wandern kommt, einkehrt, ein Konzert besucht und Souvenirs kauft, ist – unternehmerisch betrachtet – sicher attraktiver als der Bustourist, der schnell an allen Sehenswürdigkeiten knipst und dessen Geldbeutel sich nur für die Nutzung der öffentlichen Toiletten öffnet. Gerade in Trier ist daher in den nächsten Jahren das bewusste Steuern des Touristenverkehrs eine Herausforderung.

Eine Zielgruppe ist allerdings ganz sicher attraktiv, und hier gibt es gute Nachrichten: Für junge Menschen gibt es in der umgebauten und erweiterten Jugendherberge in Trier mehr als 140 neue Plätze. So können mehr junge Familien und Schüler angelockt werden. So kann die Lebens- und Liebenswürdigkeit unserer Region noch bekannter werden. Einerseits, weil die jungen Besucher hoffentlich selbst zurückkehren wollen. Andererseits, weil es eine der besten Arten von Werbung geben kann: Mundpropaganda. Im Zeitalter der Digitalisierung kommt dazu: Jedes Bild aus der Jugendherberge, jeder positive Facebook-Post kann sich in Windesweile verbreiten. Mit Blick auf die Jugendherberge gibt es daher vor allem eines: Grund zur Freude.

Um die Möglichkeiten in unserer modernen Welt mit allen Vernetzungen, allen Online-Angeboten ging es in dieser Woche auch bei der IHK. Hier gab es ebenfalls die erfreuliche Botschaft: Unsere Region hat viele Chancen. Die Nähe zu Luxemburg und die Attraktivität für Touristen helfen den Händlern. Wer es zusätzlich schafft, den Kunden ein Einkaufserlebnis zu bieten, wer besten Service on- und offline verbindet, dem muss nicht bange sein. Wobei so viel Ehrlichkeit wichtig ist: In manch kleinerer Stadt wird es künftig nicht mehr jedes Angebot geben. Und so mancher hat noch nicht die Wucht erkannt, mit der sich die Handelswelt bewegt. Amazon etwa könnte künftig nicht nur online Konkurrent sein. Der Internet-Riese testet in den USA Shops mit Büchern, Lebensmitteln oder Mode. Die gute Seite: Der Handel vor Ort ist so attraktiv, dass er weiter anzieht. Die gefährliche Seite: Wenn Handel, Gastronomie, Tourismus und Politik nicht zusammenarbeiten, droht manchem Ort eine böse Überraschung.

Oft wird bei aller notwendigen Diskussion über W-Lan und Parkplätze vergessen, dass die ganze Region neudeutsch smart sein muss – für Einheimische und Touristen. Wer online erfährt, wie er am besten zu uns kommt, wer vorab erkennt, dass sich ein Besuch lohnt, wird nicht nur virtuell die Reise antreten. In diesem Sinne: Genießen Sie Ihr Wochenende und das Leben in unserer Region!

t.roth@volksfreund.de