Die Sahara-Hitze geht - die Debatte ums Klima bleibt aufgeheizt

Die Woche im Blick : Der Sommer kommt endlich!

Vielleicht denkt der ein oder andere Leser bei dieser Überschrift, der Schreiber dieser Zeilen hätte einen Hitzeschlag erlitten. Temperaturen teils über 40 Grad, Gluthitze – und nun kommt der Sommer?

Vielleicht denkt der ein oder andere Leser bei dieser Überschrift, der Schreiber dieser Zeilen hätte einen Hitzeschlag erlitten. Temperaturen teils über 40 Grad, Gluthitze – und nun kommt der Sommer?

Aber für mich ist es so in der nächsten Woche – zumindest der für mich erträgliche Sommer ist dann da. Der, bei dem wir bei 30 Grad baden gehen und uns dennoch vor die Tür wagen. Der, bei dem wir nachts durchlüften, um die Wohnung kalt zu bekommen. Kurz und schlicht: Wenn die Vorhersagen richtig sind, können wir uns die nächsten Tage auf heißes Wetter freuen, müssen aber nicht schon früh überlegen, wann wir uns überhaupt im Freien bewegen können.

Wobei bei dem Blick auf Wetterdaten durchaus leichte Skepsis angesagt ist. Etwa beim Rekordwert vom Donnerstag: 42,6 Grad meldete der deutsche Wetterdienst für Lingen im Emsland. Wer allerdings Fotos der Station sieht, erkennt schnell ein Problem. Außenherum stehen große Bäume. Die Rekord-Messung könnte also durch einen Hitzestau beenflusst worden sein. Das ist übrigens der Grund, warum wohl fast jeder schon einmal beim Blick aufs Thermometer im Auto zusammengezuckt ist und die Rekordwerte gar nicht mehr so hoch fand. Wenn sich die Luft nicht mehr bewegen kann, wenn bestimmte Farben und Oberflächen Wärme binden, dann sind noch weitaus höhere Temperaturen möglich. Mit einem Wert, aus dem Schlüsse für die allgemeine Wetterlage gemessen werden können, hat das nichts zu tun. Übrigens schon gar nicht mit dem Klimawandel. Denn Klima ist nun einmal der sehr langfristige Blick auf alle Wetterdaten.

Wer nun für seine eigene Klimaschutz-Argumentation Daten liefert, die angreifbar sind, tut denen einen Gefallen, die nur argumentieren, früher habe es ja auch schon sehr heiße Sommer gegeben. Übrigens: Natürlich ist das richtig. Und ganz nebenbei gab es Warnungen vor trockenen Sommern und mehr Wetterphänomenen schon lange. Der Klimawandel an sich wird aber von den Experten nicht bestritten. Die Frage, ob der Mensch daran beteiligt ist, wie stark auch immer, lässt sich nach deren Meinung übrigens ebenso eindeutig beantworten: ja. Genauso eindeutig lässt sich beantworten, ob wir schnell handeln sollten: ja. Was genau wir alles tun sollten, ist aber schon wesentlich spannender und offener und muss auch diskutiert werden.

Sinnvoll ist es sicherlich mit Blick nach vorne, wenn etwa Wasserspender in der Stadt – dort wo kaum Wind weht – aufgestellt werden. Viel wichtiger wäre es aber, größer zu denken, aber nicht nur in Verboten. Etwa ausreichend Plätze zu schaffen, an denen das Wasser seinen Platz findet, kleine Oasen zum Ausruhen, die unbedingt Grün bieten sollten. Pflanzen können an Fassaden eine entscheidende Rolle spielen, um das Wohlfühlen an heißen Tagen zu ermöglichen. Und die Bebauung an sich in den Städten muss immer im Blick sein. Das geht übrigens alles ohne eine Debatte um eine CO2-Steuer oder um Flugverbote. Die sollten wir stattdessen weniger erhitzt führen und dabei andere Argumente nicht sofort als altbacken oder hysterisch abtun.

t.roth@volksfreund.de

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