1. Meinung

Die Sicherheit geht vor

Die Sicherheit geht vor

Die Befürworter des Hochmoselübergangs werden sich über das Ergebnis des gestern im Innen- und Wirtschaftsausschuss des Landtags vorgestellten Gutachtens freuen: Der Untergrund auf der Eifelseite des aktuell größten europäischen Brückenbauprojekts ist sicher, die Standfestigkeit der Pfeiler damit nicht gefährdet. Zugegeben: Ganz überraschend ist das Ergebnis nicht.

Man stelle sich einmal vor, die geologische Expertise hätte ergeben, dass der Ürziger Hang extrem rutschig ist und ein Betonpfeiler dort nicht sicher verankert werden kann.
Eine solche Diagnose hätte nicht nur das wahrscheinliche Aus für das ambitionierte Brückenbauwerk bedeutet, sondern womöglich ein weiteres politisches Beben in Rheinland-Pfalz ausgelöst. Es hätte den wegen der Nürburgring-Affäre und des dahinsiechenden Flughafens Hahn ohnehin angezählten rheinland-pfälzischen Infrastrukturminister Roger Lewentz in Erklärungsnöte gebracht; und mit dem SPD-Landesvorsitzenden auch die Verantwortlichen beim Landesbetrieb Mobilität (LBM), die in der Vergangenheit nicht müde wurden zu betonen, der Hochmoselübergang sei sicher und die geologischen Verhältnisse seien überdies bestens erforscht. Möglich, dass die LBM-Ingenieure damit recht haben.
Trotzdem: Die Bedenken von Harald Ehses, dem Leiter des Landesamts für Geologie und Bergbau, konnten nicht einfach vom Tisch gewischt werden, wie dies zunächst den Anschein hatte. Der Experte hatte im Zusammenhang mit dem Eifelhang frühzeitig von unkalkulierbaren Risiken gesprochen und vehement ein zusätzliches Gutachten gefordert. Dass die Landesregierung dem nach anfänglichem Zögern zugestimmt hat, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Bei einem Bauwerk von mehreren Hundert Millionen Euro kommt es auf 235 000 Euro Mehrkosten nicht an - zumal es um Sicherheitsaspekte geht und nicht um Ausgaben für überflüssige Verschnörkelungen an der Brücke. Das gestern vorgestellte Ergebnis sollte auch die Skeptiker zufriedenstellen.
r.seydewitz@volksfreund.de