Dramatischer Weckruf

Dramatischer Weckruf

Knapp an der Weihnachtskatastrophe vorbei. Das ist das Fazit des versuchten Terroranschlags auf einen mit fast 300 Menschen besetzten Airbus der Northwest Airlines.

Eine Attacke, die nur deshalb scheiterte, weil der Täter kurz vor der Landung in Detroit die an Bord geschmuggelten Explosivstoffe nicht fachgerecht zündete. So gab es lediglich ein Feuer, das Passagiere schnell löschen könnten.

Doch damit fangen die Fragen erst an. Wobei die wichtigste lautet: Wie konnte ein junger Mann mit bar bezahltem Einwegticket - dem modus operandi der meisten 9/11-Attentäter - und arabisch klingendem Namen, dessen Kontakte zu islamischen Extremisten Berichten zufolge US-Diensten bekannt waren und dessen Vater sogar eine US-Botschaft gewarnt hatte, überhaupt an Bord kommen? Die Passagierlisten aller Flüge in die USA werden vorab an die amerikanische Heimatschutzbehörde mit ihren Datenbanken übermittelt. Doch erneut zeigt sich ein zu großes Loch im Netz, das potenzielle Terroristen rechtzeitig abfangen soll. Spätestens in Amsterdam hätte man dem Transitreisenden aus Afrika den Zutritt zur Maschine verweigern oder ihn allein schon wegen der zahlreichen verdächtigen Details seiner Buchung besonders unter die Lupe nehmen müssen. Warum dies nicht geschah, ist aufzuklären.

An dieses Versagen schließen sich weitere Fragen an: Wie zuverlässig sind die Sicherheits checks wirklich, bei denen sich 90-jährige Großmütter im Rollstuhl Leibesvisitationen gefallen lassen müssen, aber am Körper oder im Handgepäck transportierte Explosivstoffe unentdeckt bleiben, weil die Technologie dafür nicht überall im Einsatz ist? Hier drängt sich der Eindruck auf, dass ein Teil der Kontrollen im Prinzip nur aufwendig inszeniertes Theater ist, um Handlungsstärke vorzutäuschen. Natürlich wird es hundertprozentige Sicherheit niemals geben können. Doch die jetzt aufgezeigten Lücken im Kontrollsystem sind von dramatischer Größe - und deshalb ein Weckruf, den die Politiker in den USA und in Europa nicht überhören dürfen.

Und sollten sich die bisher bekannten Details bewahrheiten, stellen die Ereignisse für den Westen auch eine ganz neue Herausforderung dar: Wie geht man damit um, dass der Jemen offenbar - wie vor dem 11. September Afghanistan - zum Sammelbecken aktiver El Kaida-Terroristen geworden ist?

nachrichten.red@volksfreund.de