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Eifel und Region Trier: Das steckt hinter Starkregen und Hochwasser

Leitartikel : Kleine Flüsse, große Folgen und ein noch größeres Danke

Starkregen, Hangwasser, Hochwasser: Es sind dramatische Tage und Nächte, in denen sich vor allem die kleinen Flüsse neue Wege suchen und Orte einkesseln und überfluten.

Stand Mittwochabend ist die erste Bilanz der Schäden erschreckend. Auch wenn es zu früh für eine Bewertung in Euro ist. Menschen haben ihr gesamtes Eigentum verloren, Häuser sind zerstört, Autos weggespült worden. Unbürokratische Unterstützung ist angesagt. Und gerade dort, wo schnelle Hilfe notwendig ist, zeigt sich in unserer Region, wie hilfsbereit die Menschen sind. Firmen bieten Unterkünfte zum Übernachten an, Gastronomen kostenloses Essen für Einsatzkräfte, Landwirte Unterstellmöglichkeiten für Pferde. Es gibt so viele wunderbare Beispiele, dass es unmöglich ist, sie alle aufzuzählen. Ganz sicher werden auch Spendenaurufe und Hilfsangebote noch zunehmen – wir werden diese in den nächsten Tagen im Blick haben. Und es ist wichtig, allen, die so schnell reagieren, schon einmal Danke zu sagen.

Ein großes Dankeschön geht zudem an die Einsatzkräfte vor Ort, an die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die Straßen gesperrt, Keller ausgepumpt, Menschen gerettet haben. Sie haben an vielen Orten noch das Schlimmste verhindern können. Und dies, obwohl die Herausforderungen noch größere waren als 2018. Mit dem Starkregen kam nun vieles zusammen: Nicht nur das Hochwasser der Flüsse sorgte für Bedrohungen und Überschwemmungen, es kam das Hangwasser an vielen Orten dazu. Das Wasser strömte von allen Seiten herein. Betroffene erzählen, dass Keller und Wohnungen innerhalb einer halben Stunde komplett voll liefen. Es blieb keine Zeit mehr, um die Habseligkeiten zu retten. Es ging schlichtweg darum, sich selbst in Sicherheit zu bringen und nicht das eigene Leben in Gefahr zu bringen. Heute gab es in unserer Region zumindest eine gute Nachricht: Meldungen über Tote, die kursierten, bestätigten sich nicht. Dass dies keineswegs selbstverständlich ist, zeigt  der Blick in den Raum Ahrweiler. Dort starben mindestens 18 Menschen in den Fluten. Im Westen und Südwesten gab es mehr als 40 Todesopfer.

Es ist gut, dass gestern vor allem die Hilfe für die Menschen im Blickpunkt stand. Absehbar und durchaus richtig ist es aber, wenn in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten sich die Diskussion über die Hintergründe solcher Extremwetterlagen verstärkt. Wobei bei aller Dramatik ebenfalls eine gewisse Differenziertheit notwendig ist. Einhellige Meinung nahezu aller Klimaexperten ist: Solche Extremereignisse werden zunehmen. Und ja, es gab schon immer einzelne bedrohliche Phänomene. Ja, es gab schon immer Starkregen. Wenn diese Ereignisse gehäufter auftreten, zeigt dies aber, dass der Klimawandel mit allen Folgen nicht wegdiskutiert werden kann. Und es geht nun darum, sich über mehr Gedanken zu machen als den Schutz an den größten Gewässern. Es stand gestern noch eine Nacht voller Bangen bevor: Aber die Frühwarnsysteme an der Mosel halfen den Menschen, sich vorzubereiten.

Auch wenn es wesentlich komplexer wird: Die möglichen Gefahrenlagen müssen nun für Orte analysiert werden, die bisher kaum im Blick waren. Wo kann ein Dorf geschützt werden? Wo ist es besser, mit Blick nach vorne sogar Siedlungen aufzugeben und den Menschen zu helfen? Auf solche Fragen gibt es keine einfachen Antworten. Es gibt keine Lösung, mit der sich Politikerinnen und Politiker, aber ebenso die Verwaltungsexperten überall Freunde machen. Und es wird teuer, das ist absehbar. Aber: Das Geld ist ganz sicher gut eingesetzt, egal ob es um Unterstützung für Landwirte geht, die ihre Felder anders nutzen, um weitere Hochwasserschutzeinrichtungen und um Frühwarnsysteme. Nur für Schwarz-Weiß-Denken darf kein Platz sein. Etwa im Agrarbereich: Weder ist der Bio-Bauer immer der gute Klima-Schützer, noch der konventionelle Landwirt der Umweltsünder. So etwas sorgt immer nur für eines: Dass sich Gegensätze bilden, wo es im Grunde gar keine gibt.

Denn eines muss allen klar sein: Einfach darauf hoffen, dass Ereignisse wie diese Hochwasser-Katastrophe sich nicht wiederholen, ist blauäugig – und kostet Menschenleben.