1. Meinung

Ein Kommentar zur Bewerbung der Mosel als Unesco-Weltkulturerbe

Auszeichung : Ein Verzicht wäre besser, wenn...

Soll sich das Moseltal um jeden Preis als Weltkulturerbestätte der Unesco bewerben und den SchUM-Städten in Rheinland-Pfalz, die jüngst ausgezeichnet wurden, folgen? Nein, meint unsere Autorin.

In den drei rheinland-pfäzischen Städten Worms, Speyer und Mainz war der Jubel groß: Die sogenannten SchUM-Städte – SchUm ist ein Akrynom aus den mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte – wurden als Unesco-Weltkulturerbestätten ausgezeichnet. Die einst bedeutenden Stätten jüdischer Gelehrsamkeit verfolgten 17 Jahre lang das Ziel, als Unesco-Welterbe anerkannt zu werden. Ein Titel, den auch Trier mit seinen Römerbauten sowie Dom und Liebfrauenkirche besitzt – und um den in der jüngsten Vergangenheit an der Mosel einige Diskussionen entbrannt sind. Denn das Moseltal könnte mit der Einzelpfahl-Erziehung, die als eine der ältesten Erziehungssysteme im Weinbau gilt, ebenfalls auf die Liste der Unesco-Welterbestätten kommen. Doch es gab Widerstand. Und das zu Recht.

Denn der Titel verpflichtet. Zum Beispiel dazu, das Welterbe zu schützen und zu schätzen. Und genau das ist an der Mosel in Gefahr, weil eben nicht alle hinter der Entscheidung stehen. Zwar urteilen Experten, dass die Auszeichnung für den Tourismus ein Mehrwert ist und zusätzliche Besucher anlockt. Aber kann man das pauschal sagen? Für alle Welterbestätten weltweit? Nein. Die Resonanz einiger Weinpfähle auf Besucher dürfte zum Beispiel  ziemlich gering sein.

Welcher Mehrwert dürfte sich dann aus der zweifelsfrei renommierten Auszeichnung generieren und ist dieser auch den Aufwand wert? Wenn diese Frage nicht eindeutig mit Ja beantwortet werden kann, sollte an der Mosel auf eine Bewerbung verzichtet werden. Denn der Super-Gau wäre, wenn dem Moseltal wie jüngst der Hafenstadt Liverpool oder einst Dresden der Titel wieder aberkannt werden würde.

p.willems@volksfreund.de