1. Meinung

Ein neuer Ruck

Ein neuer Ruck

Von den vier noch lebenden deutschen Bundeskanzlern haben sich mittlerweile drei deutlich gegen Pegida ausgesprochen - Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache, jetzt die Altkanzler Gerhard Schröder und Helmut Schmidt. Das ist keine ordre du mufti, sondern ein deutliches Zeichen an den Teil der Gesellschaft, der mit Ressentiments gegenüber Fremden und Flüchtlingen nichts zu tun haben will.

Drei starke Stimmen, die jene ermutigen und unterstützen, die sich nun als Gegenbewegung zu Pegida formieren. Sie wird in vielen Städten immer stärker.
Den Initiatoren von Pegida geht es offenkundig nicht um die realen Probleme bei der Integration, die es zweifellos gibt und vielleicht tatsächlich manchen Mitläufer leiten. Es wird vor allem mit allerlei Vorurteilen Stimmung gemacht. Und das immer lauter. Das ist das Gefährliche. Deswegen ist der "Aufstand der Anständigen" erst Recht notwendig, wie Gerhard Schröder es formuliert hat. Den Ärger der Demonstranten in Dresden werden die Worte der drei Kanzler freilich nur vergrößern. Einsicht, oder auch nur Nachdenklichkeit, ist nicht zu erkennen.
Aber auch der Gegenprotest wächst. Die Kirchen sind dabei, und wenn die Lichter des Kölner Doms oder anderer Gotteshäuser ausgeschaltet werden, ist das mutig, weil sich damit eine hohe symbolische Kraft verbindet. Vereine, Verbände, Gewerkschaften, Menschen, die Schicksale nicht gegeneinander ausspielen wollen, demonstrieren jetzt für mehr Humanität im Umgang mit Fremden. Ein neuer Ruck geht durchs Land, ein anderer als der in Dresden. Ein besserer.
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