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Ein Paukenschlag - nicht mehr

Da hat sich der Trierer Bischof und kirchliche Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann aber mit einem Paukenschlag in den Sommerurlaub verabschiedet: Ein angesehener Theologieprofessor wird, beinahe 50 Jahre nach seiner Priesterweihe, aus dem Klerikerstand entlassen. Der Bischof wirft ihn raus; und es war auch noch sein eigener Vorschlag und nicht etwa eine Anweisung aus Rom. Rolf Seydewitz

Der 72-jährige katholische Geistliche steht damit vor den Trümmern seines Lebens. Mitleid ist unangebracht. Der Mann hat sich über Jahre hinweg an Minderjährigen vergangen und auch den eigenen Neffen missbraucht. Hätte die Staatsanwaltschaft davon rechtzeitig Wind bekommen, wäre der Bistums priester dafür ins Gefängnis gewandert. Sein Glück, dass die Straftaten verjährt waren, als die Ankläger davon erfuhren.

Das ist schlimm für die Opfer des scheinheiligen Priesters, denen man gewünscht hätte, dass ihr Peiniger für seine Straftaten büßen muss.

Umso wichtiger, dass der Theologe nun wenigstens kirchenrechtlich zur Verantwortung gezogen wird.
Dass der Trierer Bischof in diesem Fall um eine Aufhebung der auch kirchenrechtlich eingetretenen Verjährung gebeten hat, ist dabei eine Selbstverständlichkeit, zumal der Verdacht nicht ganz von der Hand zu weisen ist, dass Kirchenverantwortliche in früheren Jahren beide Augen zugedrückt haben könnten. Es war bis vor einigen Jahren jedenfalls gängige Praxis, dass Missbrauch spriester still und heimlich versetzt und die Opfer diskriminiert wurden.

Mit dem Rauswurf des Theologieprofessors hat der Trierer Bischof ein Zeichen gesetzt. Stephan Ackermann dürfte von vielen jetzt als mutig und durchsetzungsstark angesehen werden. Das ist gut für sein Image und seinen Stand in der Bischofskonferenz.

Gleichzeitig hat der kirchliche Missbrauchsbeauftragte auch Erwartungen geweckt. Wenn Ackermann den einen Missbrauchspriester rauswirft, kann er einen anderen nicht länger schonen.

Aber genau das wird der Trierer Bischof schon bald tun. Es ist einfach unrealistisch, dass er alle 15 Bistums priester, gegen die wegen Missbrauchsvorwürfen noch kircheninterne Untersuchungen laufen, auf die Straße setzt, zumal die Fälle auch unterschiedlich sind.

Täte er dies doch, würde der Trierer Bischof dafür aus den eigenen Reihen heftig kritisiert werden.

Stephan Ackermann ist aber kein Don Quichotte, und deshalb wird er dies bleiben lassen. So gab es dieses Mal zum Auftakt noch einen Paukenschlag. Und schon beim nächsten Kandidaten für eine Bestrafung wird der Trierer Bischof nur leise aufs Trömmelchen hauen.

r.seydewitz@volksfreund.de