1. Meinung

Ein Schritt auf dem richtigen Weg

Ein Schritt auf dem richtigen Weg

Was sich in der Randzone zwischen Leben und Tod abspielt, ist eine der persönlichsten Angelegenheiten eines Menschen. Gleichzeitig besteht in diesem Bereich aber auch gesellschaftlicher Regelungsbedarf.

Patientenverfügung, Sterbehilfe, Organspende: das sind alles Operationen am offenen Herzen einer Gesellschaft. Gefährlich, aber manchmal notwendig. Der Bundestag hat sich für einen minimalinvasiven Eingriff entschieden. Keine Widerspruchslösung, die hilfreich gewesen wäre für alle, deren Leben von einem Spenderorgan abhängt. Die aber auch die Unentschiedenen in eine bestimmte Richtung gedrängt hätte. Die künftige Regelung setzt nicht bei denjenigen an, die gegen eine Organspende tendieren. Sie versucht, diejenigen anzusprechen, die prinzipiell zur Organspende bereit sind, den konkreten Schritt zu einem Ausweis aber bislang gescheut haben. Vielleicht aus Bequemlichkeit gegenüber einem unangenehmen Thema, vielleicht aus Angst. Da bürdet man die Entscheidung lieber der Familie auf. Und die lehnt in dieser schrecklichen Situation aus nachvollziehbaren Gründen eher ab. Nun sagt der Staat seinem Bürger: Überlege dir das rechtzeitig! Und wenn du dich entschieden hast, dann teile es mit. Das ist eine vergleichsweise kleine Mühe gegenüber der Chance, das Leiden von Menschen zu lindern, die seit Jahren unter erbärmlichsten Bedingungen auf ein Spenderorgan warten.Der Beschluss des Bundestags setzt letztlich auf einen mündigen Bürger, der eine Entscheidung zur Organspende trifft. Ja oder nein: Beides ist uneingeschränkt zu akzeptieren. Aber es wird künftig schwerer, sich einfach um das Thema zu drücken. Trotzdem: Wenn die Bürger nicht mitspielen, wenn sie ihre Verantwortung nicht annehmen, dann bleibt womöglich alles beim Alten. Und das wäre fatal. Deshalb müsste das neue Gesetz einhergehen mit breiter Aufklärung, ja sogar mit Werbung für die freiwillige Organspende. Vielleicht hilft Zweiflern ein kleines Gedankenexperiment. Wer aus prinzipiellen Gründen gegen die Organspende ist, müsste sie konsequenterweise nicht nur als Spender, sondern auch als Empfänger ablehnen. Denn wer sich selbst die Organspende nicht zumuten will, dürfte sie logischerweise auch keinem anderen zumuten. Wenn ich also selbst - was jedem passieren kann - eine Niere oder ein Herz zum Überleben, eine Netzhaut gegen das Erblinden brauchen würde: würde ich ablehnen? Wer diese Frage ehrlich mit ja beantwortet, kann guten Gewissens die Organspende verweigern. Alle anderen sollten sich möglichst bald einen Spenderpass ausstellen lassen. d.lintz@volksfreund.de