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Kontra WM
Eine Traum-WM – für Putin

Feichtner Andreas
Feichtner Andreas FOTO: TV / klaus Kimmling
Gianni Infantino hat sich festgelegt: Seine erste WM als Fifa-Präsident war zugleich die beste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten. Das sagt er, wenn er nicht gerade glücksbetrunken „Rossija, Rossija“ skandiert oder er sich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin um den Hals wirft. Von Andreas Feichtner
Andreas Feichtner

Die etwas realitätsferne Euphorie mag man dem Debütanten noch nachsehen. Es hätte schließlich schlimmer können: Die Organisation lief reibungslos, von den befürchteten Hooligan-Horden war nichts zu sehen, bei kritischen Nachfragen wurde erfolgreich geschwiegen. Doping? Menschenrechte? War da was? Alles andere wäre bei einem gigantischen Image-Projekt eines cleveren Autokraten überraschend gewesen. So kann sich Putin entspannt zurücklehnen, sich von Infantino oder Lothar Matthäus feiern lassen. Aber was wird von der WM bleiben – außer dem zugegeben spektakulären Abschluss am Sonntag mit dem Finale zwischen Frankreich und Kroatien? Wenn man die enttäuschende Vorstellung des deutschen Teams außen vor lässt, war es zunächst einmal eine WM mit vielen mäßigen Spielen und vielen defensiv geprägten Mannschaften. Mit dem Resultat, dass so viele Tore wie noch nie nach Standardsituationen gefallen sind. Es war auch eine WM, die einige negative Entwicklungen im Fußball noch einmal verstärkt hat: Die vielen Schauspiel-Einlagen, extremes Zeitspiel, andere unfaire Aktionen – es gab einiges zu sehen, was dem Fußball schadet. Und besser wird’s wohl nicht: Vermutlich wird Infantino zwar auch die Winter-WM 2022 in Katar als beste aller Zeiten bezeichnen, vielleicht schon in der XXL-Version. Aber das bedeutet eben nichts.

a.feichtner@volksfreund.de