1. Meinung

Eine unbequeme Wahrheit

Eine unbequeme Wahrheit

Die Augen zu verschließen nützt nichts. Gar nichts.

Der demografische Wandel kommt. Denn die Kinder, die ihn verhindern könnten, wurden nie geboren. Anders als beim Klimawandel, den viele Menschen noch immer für eine Mär halten, geht es hier auch nicht um eine Glaubensfrage. Es ist einfach eine Rechenaufgabe. Und das, was unterm Strich steht, gibt zu denken: 2050 wird es in der Region deutlich weniger Menschen geben als heute. Ein Drittel von ihnen wird Rentner sein. Und nur noch etwa die Hälfte der Menschen ist im erwerbsfähigen Alter.
Hinzu kommt eine große regionale Ungleichheit. Während die Speckgürtel der Städte und Kleinzentren wachsen oder zumindest einigermaßen stabil bleiben, wird der ländliche Raum verlieren: Einwohner, Infra struktur, Zukunftsperspektive. Je kleiner das Dorf und je weiter draußen, desto düsterer die Prognose.
Allerdings zeigt die Fahrt über die Dörfer, dass das Schlimmste schon passiert ist: Die meisten kleinen Orte haben ihre Metzger, Bäcker, Banken, Kneipen, Arztpraxen, Schulen oder Busverbindungen längst eingebüßt. Und in manchem Fall auch den dörflichen Gemeinschaftssinn. Der wesentliche Teil des Wandels liegt bereits hinter ihnen. Wie früher wird es dort nicht wieder sein.
Jetzt geht es in vielen Fällen darum, das, was noch übrig ist, zu erhalten. Und es ist leider keine Schwarzmalerei, zu sagen, dass das nicht immer gelingen wird.
Trotz aller Anstrengungen. Trotz aller Chancen, die Tourismus oder erneuerbare Energien in der Großregion Trier bieten.
Ein Gedanke, der traurig stimmt. Andererseits: Wie sinnvoll ist es, Dörfern hinterherzutrauern, die ihren Bewohnern nichts mehr zu bieten haben? Die Menschen sind zum Glück frei, dort zu leben, wo sie das finden, was sie zum Leben brauchen und wollen. Und das sind heute nun einmal die Städte und ihre Umgebung. Die Welt hat sich gewandelt. Vielleicht muss man das auch einfach akzeptieren.
Wer das nicht will, sollte sich nicht darauf verlassen, dass das Land, der Kreis oder die Verbandsgemeinde es mit großzügigen Geldgaben und neuen Projekten schon irgendwie richten. Wer das nicht will, muss für sein Dorf selbst aktiv werden. Und zwar möglichst schnell.
k.hammermann@volksfreund.de