Ende der Floskeln

Ende der Floskeln

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Anschlag auf koptische Christen in Ägypten am Montag zwar scharf verurteilt. "Mit Abscheu und Entsetzen" habe sie die Nachricht von dem schrecklichen Anschlag auf eine Kirche in Alexandria vernommen, schrieb Merkel in einem Beileidstelegramm an den ägyptischen Staatschef Husni Mubarak.



Dieses Kondolenzschreiben Merkels ist der Versuch, nicht auch noch international Öl in das Feuer zu gießen, das da national zwischen den Religionen lodert, seit Fanatiker einen koptischen Gottesdienst in Alexandria angegriffen haben.

Es hätten Christen, "aber auch Muslime" ihr Leben verloren, schrieb die Kanzlerin, ganz so, als sei der Anschlag nicht Teil eines brutalen Glaubenskriegs gegen Christen, der weit über Ägypten hinausgeht. Und sie zeigte sich "überzeugt", dass Mubarak "alles in seiner Macht stehende" tun werde, um derartige Vorfälle in der Zukunft zu verhindern.

Das wird er wohl nicht. Es ist an der Zeit, dass der Westen sich mit den angeblich befreundeten Regimes der Region etwas ungeduldiger zeigt als bisher. Ihre Zusicherungen müssen daran gemessen werden, ob sie nicht nur aktiv gegen die Terroristen selbst vorgehen, sondern auch gegen jene Islamisten, die den geistigen Nährboden für die Intoleranz legen. Das gilt nicht nur für Ägypten, wo derartige Sekten weitgehend unbehelligt agieren, sondern mehr noch für Saudi-Arabien, das der große Finanzier der Verbreitung eines intoleranten Islam in ganz Afrika und Teilen Asiens ist.

Die Toten von Alexandria sind nicht die ersten toten Christen in der arabischen Welt. Amerikaner, Juden, westeuropäische Touristen und Entwicklungshelfer sind ohnehin schon lange Freiwild in einigen dieser Länder. Und die Drohungen erstrecken sich mittlerweile auch auf Kopten, die in Deutschland leben.

Diplomatische Floskeln sind da wahrlich nicht mehr angebracht.

Sondern nur die Forderung: Wir wollen Taten sehen.

nachrichten.red@volksfreund.de

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