1. Meinung

Es gibt keine Garantie für Spangdahlem

Es gibt keine Garantie für Spangdahlem

Die Situation auf der Airbase Spangdahlem ist völlig absurd. Auf der einen Seite muss die Air Force so sehr sparen, dass sie die Zahl ihrer Flugstunden drastisch kürzt und ein Drittel ihrer Flugzeuge stilllegen will - dazu sollen auch die als Warzenschweine bezeichneten A-10-Flugzeuge aus Spangdahlem gehören.

So sehr, dass für eine Veranstaltung wie Open-House kein Geld mehr da ist. So sehr, dass die in Spangdahlem stationierten US-Zivilangestellten bald nur noch vier statt fünf Tage die Woche arbeiten. Um 500 Milliarden Dollar soll der Verteidigungsetat in den kommenden zehn Jahren schrumpfen. Das Pentagon spricht schon jetzt davon, dass sich das Sparen auf die Einsatzbereitschaft der USA auswirkt.
Auf der anderen Seite investiert die US-Regierung seit 2008 etwa 400 Millionen Dollar in den Ausbau des Eifeler Luftwaffenstützpunktes - und ein Baustopp ist offenbar nicht geplant. Da werden Schulen für 130 Millionen Dollar gebaut, ein neues Shopping Center für 30 Millionen Dollar eröffnet und eine zahnmedizinische Klinik für 48 Millionen Dollar (!!) geplant. Die heimischen Zahnmediziner reiben sich die Augen. Die heimischen Handwerker reiben sich die Hände. Die vielen Zivilangestellten reiben sich zwar an den geplanten Sparmaßnahmen, nehmen den Bauboom aber als gutes Zeichen. Einen Luftwaffenstützpunkt, in den so viel investiert wurde, macht doch niemand dicht! Oder?
Der Blick in die Geschichte zeigt, dass das keineswegs unmöglich ist. Damals als die Bitburger Airbase geschlossen wurde, hat die US-Regierung auch bis zum letzten Moment kräftig in diesen Standort investiert und alle Schließungsgerüchte dementiert. Bis zuletzt. Am 30. Juni 1993 verbreitete sich dann die Nachricht: Die Airbase schließt doch. Sie hatte im Vergleich mit Spangdahlem, das eine deutlich längere Landebahn besitzt, einfach den Kürzeren gezogen. Für viele Bitburger war das ein Schock, fürchteten sie doch, die heimische Wirtschaft würde zusammenbrechen. Später stellte sich der Abzug dann als Chance heraus. Denn auf dem Gelände entstanden 1200 Arbeitsplätze.
Die damals überlegene Airbase Spangdahlem hat immer noch eine lange Landebahn und ist dank der riesigen Investitionen auch sonst gut in Schuss. Aber ist es wirklich das, was im Ernstfall für die Politiker in Washington zählt? Wenn sie aus Geldnot in Zukunft über mögliche Schließungen amerikanischer Luftwaffenstützpunkte debattieren müssen, dann geht es nicht mehr um die Frage: Spangdahlem oder Bitburg? Sondern dann lautet die Frage womöglich: Spangdahlem oder Ramstein? Spangdahlem oder Incirlik in der Türkei? Spangdahlem oder Osan in Südkorea? Und wo sind sie denn, die Krisenherde? Sie sind zum Glück weit, weit weg von der Eifel.
Die Politik lehrt, dass beruhigende Beteuerungen oft schon einen Tag später nichts mehr wert sind. Allzu fest sollte man daher nicht daran glauben, dass es die Airbase Spangdahlem in drei, zehn oder fünfzehn Jahren noch gibt. Doch anders als damals bei Bitburg sollte man deswegen nicht gleich den Weltuntergang an die Wand malen. k.hammermann@volksfreund.de