1. Meinung

Es gibt keinen Grund, sich über Trump aufzuregen

Es gibt keinen Grund, sich über Trump aufzuregen

Warum regt sich alle Welt über Donald Trump auf? Weil er als gewählter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika genau das tut, was er als anfangs chancenloser, auch von den Medien verlachter und verspotteter Wahlkämpfer versprochen hat?

Das sagt sehr viel auch über uns selber aus. Wenn wir jemandem übelnehmen, dass er nachher tut, was er vorher angekündigt hat, heißt das nichts anderes, als dass wir von Anfang an davon ausgehen, belogen zu werden. Ist das wirklich so? Haben wir so wenig Vertrauen in die Regierenden, in die politische und wirtschaftliche Klasse?

Dabei war unser Land nie freier, ging es noch nie so vielen Menschen so gut. Und doch ist dieses Gefühl irgendwie weg, dass wir es gemeinsam noch ein Stück weiter schaffen könnten.

Es ist ja auch viel einfacher, sich über diesen Egomanen, Sexisten, Diskriminierer, Spalter und Abschotter Trump aufzuregen.

Und natürlich ist das ausgesprochen kritikwürdig, was der Herr da seit Tagen anrichtet. So wie er wahllos und unablässig Porzellan zerschlägt, internationale Regeln in die Dreckecke stellt und macht, was er will, das ist wirklich dreist, aber doch nicht überraschend. Er hat all das angekündigt, was er nun mit immer neuen Dekreten abfeuert.

Besonders perfide sind dabei die Einreiseverbote für Menschen aus bestimmten Staaten. Mal abgesehen davon, dass auch die amerikanische Verfassung und nicht nur die Menschenrechtsregeln der Vereinten Nationen oder des Grundgesetzes es verbieten, Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer Herkunft zu diskriminieren. Aber ausgerechnet Irakern die Einreise in die USA zu verbieten, einem Land, das die Amerikaner ohne jede Berechtigung überfallen, ins Chaos gestürzt und dann kopf- und planlos wieder verlassen haben, das ist an Frechheit nicht mehr zu überbieten.

Im irakischen Mossul zu bomben, im Jemen, in Syrien oder Libyen - und dann den Menschen zu sagen, wir wollen euch in Trump-Land nicht mehr sehen, das ist der Gipfel an Menschenverachtung. So wird Amerika nie wieder great. So ist Amerika ein ebenso erbarmungswürdiges wie ungastliches Land, das kein einziges weltweites Problem lösen, sondern viele neue heraufbeschwören wird.

Dennoch: Es gibt keinen Grund, sich über diese Missachtung bisher geltender Regeln aufzuregen. Er hat es uns früh genug gesagt, und die Amerikaner haben ihn trotzdem gewählt.

Aber Trump ist auch ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man Rattenfängern hinterherläuft und ihnen an die Macht verhilft. Er könnte uns Deutschen immerhin als warnendes Beispiel für die anstehenden Wahlen in unserem Land dienen. Denn seine Wahl zum Präsidenten hat deutlich gezeigt, wie schnell die grundlegenden Errungenschaften der Demokratie über Bord geworfen werden, wenn die großen Vereinfacher kommen und permanent great und first schreien. Vielleicht haben wir ja wenigstens aus unserer Geschichte gelernt, dass es unweigerlich in die Katastrophe führt, wenn man Populisten mit scheinbar einfachen Lösungen nachläuft, statt sich um das mühsame Geschäft der Demokratie zu kümmern.
d.schwickerath@volksfreund.de