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Meinung
Fakten in den Echoräumen der Verhetzung

Werner Kolhoff. Foto: Mathias Krohn, www.krohnfoto.de
Werner Kolhoff. Foto: Mathias Krohn, www.krohnfoto.de FOTO: k r o h n f o t o .de
Berlin. Die unbequeme Studie zur Flüchtlingskriminalität. Von Werner Kolhoff

Verhetzung ist es, wenn mit Absicht aus „einer“ „viele“ gemacht wird. Es wäre Verhetzung, würde man sagen, viele Deutschen schubsten im Suff ihre Kinder aus dem zweiten Stock, wie kürzlich in Ostwestfalen geschehen. Und Volksverhetzung ist es, wenn dann aus „viele“ „alle“ werden. Es bringen eben nicht alle 15-jährigen Afghanen ihre deutsche Ex-Freundin um. Das hat nur einer getan, in Kandel. Und womöglich tat er es gar nicht, weil er Afghane war, sondern aufgrund einer jugendlichen narzisstischen Störung.

Und doch sieht selbst die etablierte Politik im  Fall Kandel einen Grund, nach Röntgenreihenuntersuchungen für ausnahmslos alle minderjährigen Flüchtlinge zu rufen. Es begrapschen auch nicht alle „Migranten“ Mädchen auf den Straßen.
Trotzdem sprechen die AfD-Politikerinnen Storch und Weidel von „marodierenden, grapschenden, prügelnden, messerstechenden Migrantenmobs“. Sie meinen alle Zuwanderer. Das ist ein Fall für den Staatsanwalt.

In den Echoräumen von Twitter und Facebook zählen Fakten nicht. Da lebt jeder in seiner eigenen Parallelgesellschaft. Übrigens auch jene, die unbedingt glauben wollen, es seien nur verfolgte Unschuldslämmer zu uns gekommen. Deshalb ist zu erwarten und zu befürchten, dass die Erkenntnisse des Kriminologen Christian Pfeiffer und seines Teams in diese Echoräume nicht vordringen. Oder nur selektiv.

Die Studie über Ursachen und Umfang der Flüchtlingskriminalität ist unbequem für alle. Ja, die Flüchtlingskriminalität ist höher. Aber sie sind nicht krimineller, weil sie Flüchtlinge sind. Die Frauen, alten Männer und Kinder unter ihnen sind nicht auffälliger als die einheimische Bevölkerung. Kaum auch die „echten“ Kriegsflüchtlinge, die sich anstrengen, dass sie hierbleiben dürfen. Die höhere Bereitschaft zur Kriminalität resultiert vor allem aus dem höheren Anteil junger Männer.

Auch deutsche junge Männer haben eine höhere Kriminalitätsbelastung als der Rest der Bevölkerung. Das ist altersspezifisch. Bei vielen jungen Flüchtlingen kommt noch die Bindungs- und Perspektivlosigkeit hinzu, ganz schlimm bei den jungen Nordafrikanern, die keinerlei Aussicht auf Anerkennung haben.

Es gibt keinen Grund, Rabauken weniger streng oder strenger zu behandeln, je nachdem woher sie kommen. Es gibt allen Grund, Polizei und Justiz so gut auszustatten, dass sie Kriminalität effektiv verfolgen können. Es gibt zudem allen Grund, Sozialarbeit und Bildung so gut auszustatten, dass Kriminalität im Vorhinein verhütet wird. Prävention und konsequente Strafverfolgung sind von jeher das A und O einer guten Sicherheitspolitik.

Im Fall der jungen Flüchtlinge bedeutet das: Nordafrikaner zügiger abschieben als bisher, zur Not mit Rückkehrprogrammen. Und zugleich jenen jungen Flüchtlingen, die hier bleiben dürfen und werden, mehr helfen als bisher. Mit Sprachunterricht, mit Ausbildung – und mit dem Nachzug der Familie.

Es ist erstaunlich, dass ausgerechnet konservative Volksparteien wie CDU und CSU das nicht einsehen,  aber wenn die Eltern ihren Gören die Ohren selbst lang ziehen, hilft das immer am besten.

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