1. Meinung

Fern der Lebenswelt

Fern der Lebenswelt

Der Dialog ist immer gut. Aber die Islamkonferenz ist mittlerweile zu einem Debattierclub geworden, ohne klare Richtung und mit nur wenigen greifbaren Ergebnissen.

Das hat Gründe. Seit 2006 ist dieses Gremium installiert, und seitdem haben sich Unsitten verfestigt. Zahlreiche Teilnehmer erklären die Konferenz regelmäßig schon vor Beginn für gescheitert; toll, dann kann man sich die Zeit auch sparen. Die Hälfte der muslimischen Verbände nimmt zudem nicht teil, klare Ansprechpartner fehlen. Und dann haben inzwischen drei Innenminister versucht, dem Gremium jeweils eine andere politische Ausrichtung zu geben: Wolfgang Schäuble wollte einen Dialog zwischen Politik und Islam, Thomas de Maizière setzte die Akzente auf die Integrationsfragen, und der neue Minister, Hans-Peter Friedrich, will jetzt eine "Sicherheitspartnerschaft" zwischen Muslimen und Behörden über das Gremium hinaus basteln.

Von ihren eigentlichen Vorgaben, der Förderung des Gesprächs zwischen den Religionen und der Stärkung der Teilhabe der Muslime in Deutschland, hat sich die Konferenz längst meilenweit entfernt. Praktische Resultate sind da zwangsläufig Mangelware geworden.

Was einst gesellschaftliche Impulse setzen sollte, verharrt jetzt nur noch im Kontroversen und im Vagen. Das war gestern wieder deutlich hörbar.

Viel war von Leitfäden, Modulen und Vorschlägen die Rede - aber kaum noch von Gemeinsamkeiten und konkreten Projekten. Das Miteinander und Gegeneinander von Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland findet in den Vorstädten, Kommunen, Verbänden, in den Vereinen oder Schulen tagtäglich statt. Der übergeordnete Dialog der Konferenz hat diese Lebenswelt offenbar längst aus den Augen verloren. So nutzt das Gremium aber kaum jemandem.

Der neue Innenminister Friedrich macht zudem beim Umgang mit Muslimen keine gute Figur. Damit ist nicht seine Äußerung zur fehlenden Historie des Islams in Deutschland gemeint. Auch wenn seine Sätze einige Teilnehmer der Konferenz verschreckt haben, seine Einordnung war richtig. Zumal er nicht bestritten hat, dass der Islam inzwischen zu einem Teil der Gesellschaft geworden ist. Nun aber der Konferenz den Sicherheitsaspekt überordnen zu wollen, ist ein Fehler und führt sie sogar gänzlich ad absurdum. Weil damit die Auseinandersetzung mit dem Islam wieder nur auf die Frage von Gut und Böse reduziert wird - genau das wollte das Gremium nicht. Gegen Islamismus zu sein, muss eine Selbstverständlichkeit werden. Friedrich fördert dadurch aber nicht den notwendigen Dialog, sondern nur bestehende Ressentiments.


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