1. Meinung

Fragwürdige Spekulationen

Fragwürdige Spekulationen

Dass die Kreise der Region Trier RWE-Aktien besitzen, geht auf die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück - jene Zeit, in der das Stromnetz stark ausgebaut wurde.

Mal bekamen die Kommunen die Aktien von RWE im Tausch für ihre Energieversorgungsanlagen. Mal kauften sie sie, um sich an den Kosten des Netzanschlusses zu beteiligen. Später kauften sie sie, weil es ihnen gewinnversprechend erschien oder sie sich Einfluss auf den Energieversorger sichern wollten. Seitdem ist fast ein Jahrhundert vergangen, in dem die Kommunen dank ihrer Aktien immer wieder ordentliche Gewinne gemacht haben, die der Allgemeinheit zugutekamen. So weit, so gut.
Allerdings hat die Sache einen Haken - Aktien sind keine sichere Geldanlage. Sie können abstürzen. Und genau das ist passiert.
Die Kommunen haben mit Steuergeld - zum Teil mit geliehenem Geld - spekuliert. Sie haben Verluste riskiert und werden diese vielleicht auch eines Tages realisieren müssen. Das ist schlecht.
Doch hat das Aktiendilemma neben der finanziellen auch noch eine moralische Dimension. Nicht nur, weil Spekulationen mit dem Geld der Bürger eine höchst fragwürdige Angelegenheit sind. Sondern auch, weil sich die Frage stellt: Warum ausgerechnet dieses Unternehmen? Warum nicht die Deutsche Bank, die Post oder die Telekom? Warum nicht große Lebensmittelkonzerne oder aktiennotierte Unternehmen aus der Region? Warum RWE? Ein Unternehmen, das stur auf traditionelle Energieformen gesetzt hat, während sich ein rasant wachsender Anteil der Bevölkerung ungefährlichere und umweltfreundlichere Energie wünschte. Energie, die nicht mehr zentral in einem Atomkraftwerk erzeugt wird, sondern draußen auf dem Land, wo auch die Kommunen davon profitieren. Wenn es denn wirklich so ist, dass die Kommunen sich über ihre Aktien Einfluss sichern - wie sie ja immer betonen - warum haben sie ihn dann nicht genutzt?!
Vielleicht, weil er viel kleiner ist, als glauben gemacht wird. Vielleicht, weil Politik und Energiewirtschaft sich zuweilen unangenehm nahe kommen - so wie im Falle des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder (Gazprom), des Trierer Ex-ADD-Chefs Josef Peter Mertes (Juwi) oder des Bitburg-Prümer Ex-Landrats Roger Graef (RWE). Vielleicht aber auch, weil es unter dem Deckmantel der Historie und frommer Wünsche immer nur ums Geld ging. Und um nichts anderes.
Schade, dass dem Steuerzahler davon so viel durch die Lappen gegangen ist, weil die Verantwortlichen in den meisten Landkreisen der Region nicht erkannt haben, wann man sich gewinnbringend aus dem fragwürdigen Aktiengeschäft hätte zurückziehen müssen.
k.hammermann@volksfreund.de