1. Meinung

Frische Ideen statt alten Gemauschels

Frische Ideen statt alten Gemauschels

Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. So steht es im Artikel 21 des Grundgesetzes.

Das bedeutet weder ein Monopol, allein über politische Fragen zu entscheiden, noch begründet es das Recht, sich den gesamten Staatsapparat anzueignen.
Parteien und die Politiker, die sie repräsentieren, müssen sich ihre Rolle immer wieder neu verdienen. Ihr Gewicht steht und fällt mit dem Vertrauen, das die Bürger in sie setzen. Was passiert, wenn die Menschen dieses Vertrauen dauerhaft verlieren, kann man dieser Tage in Italien beobachten. Noch ist es in Deutschland nicht so weit. Aber der Vertrauensvorschuss, der sich zwischen den Bürgern und den Parteien in der Bonner Republik über Jahrzehnte aufgebaut hat, ist ziemlich aufgebraucht. Wenn sich das ändern soll, müssen die Parteien neue Formen finden, vor allem jüngere Menschen für ihre Arbeit zu interessieren. Da sitzen sie in einem Boot mit Vereinen, Kirchen, Organisationen.
Wer immer nur im alten Trott arbeitet, den bestraft das Leben. Neue, unverbrauchte Gesichter, frische Ideen, weniger Funktionärstum, mehr konkrete Projekte: Das wären die richtigen Ansätze. Offene Kommunikationsformen, Beteiligung an Entscheidungen: Es gibt viele Möglichkeiten. Aber das bedeutet auch die Abkehr von dem wohligen Postengeschiebe unter Parteifreunden, vom Ausmauscheln politischer Entscheidungen, vom Ausrichten aller Prinzipien nach den Chancen für die nächste Wahl. Das dürfte für die meisten Parteien noch ein langer Weg werden.
d.lintz@volksfreund.de