Glanz und Elend des Moselweins

Glanz und Elend des Moselweins

Die vergangenen Wochen und Monate haben es noch einmal drastisch deutlich gemacht: Es gibt wohl kein anderes Weinanbaugebiet auf der Welt, wo Licht und Schatten, Glanz und Elend so dicht beieinanderliegen wie an der Mosel.

Da werden auf den Auktionen der Riesling-Spitzengüter in Trier und Bernkastel-Wehlen 1000 Euro und mehr für eine Flasche Moselwein geboten, gleichzeitig bekommen Moselwinzer, die ihre Weine an Großkellereien verkaufen, nur 50 Cent für einen Liter. Der Kontrast könnte größer nicht sein. Und genau das zeichnet die Mosel immer noch aus.

Dort wachsen die besten und teuersten Rieslingweine der Welt, dort werden aber auch große Mengen Wein an Kellereien verramscht, die dann später die Regale von Aldi und Co. füllen.

Dort gibt es renommierte Spitzengüter und aufstrebende Newcomer, die in der internationalen Weinwelt für Furore sorgen, und dort kämpfen Winzer, die vom Weinhandel abhängig sind, um ihre Existenz.

Dort gibt es berühmte Weinlagen, die jedem Kenner geläufig sind, und dort werden in der Ebene Fabrikweine erzeugt, die in direkter Konkurrenz zu den noch billiger zu produzierenden Weinen aus Rheinhessen, der Pfalz, aus Italien und Spanien stehen.

Es führt kein Weg daran vorbei: Dauerhaft überleben kann die Mosel nur, wenn sie ihre Einzigartigkeit herausstellt. Einzigartig - das sind die Rieslingweine in den Schiefer-Steillagen. Austauschbar sind die Weine, die auf tiefgründigen Böden in der Ebene wachsen. Man kann es vielleicht an einem - zugegeben etwas gewagten Vergleich - deutlich machen: Wer sich einen Stuhl kauft, kann zu Ikea gehen oder sich diesen von einem guten Schreiner machen lassen. Der Ikea-Stuhl ist zweckmäßig, aber Massenware aus der Fabrik. Vielleicht wurde er in Polen produziert, vielleicht in China. Der Handwerkerstuhl ist ein Unikat, edel verarbeitet aus heimischen Hölzern, manchmal ist er sogar ein Kunstwerk. So wie ein Spitzenwein aus einer Toplage, erzeugt von einem echten Könner seines Faches, ein "Kunstwerk" sein kann.

Die Champagner-Winzer haben es längst geschafft, ihr Gebiet als einzigartig zu profilieren und zu vermarkten. Wenn das der Mosel doch nur auch gelingen könnte … w.simon@volksfreund.de