Gut gebrüllt

Während CDU und CSU an diesem Wochenende endlich ihren quälenden Steuerstreit beilegen wollen, läuten die Grünen das beginnende Jahr mit lauten Worten ein. Renate Künast will als Vizekanzlerin ins Kanzleramt, zumindest traut sie sich diesen Job zu.

Alles andere wäre auch ein Treppenwitz, wenn man bedenkt, dass Künast und ihr Co-Spitzenkandidat Jürgen Trittin schon jede Menge Regierungserfahrung in rot-grünen Zeiten gesammelt haben.

Starker Tobak bleiben die Ankündigungen der kleinsten Oppositionspartei allemal. Die Wahrheit ist allerdings, den Grünen fehlt die Macht-Option: Rot-Grün ist angesichts der Schwäche der SPD in weiter Ferne, für eine Ampel mit SPD und FDP ist keine Mehrheit in Sicht, eine Bündnis mit Union und FDP ("Jamaika") gilt wegen der vielen unüberbrückbaren inhaltlichen Differenzen im Bund als Illusion. Zumal es nach derzeitigen Umfragen auch für Schwarz-Gelb alleine reichen würde. Gut gebrüllt, Frau Künast, mehr aber eben nicht.

Die Partei hat noch eine gehörige Portion Arbeit vor sich. Sie muss überzeugend beantworten, wofür sie eigentlich steht. Es fehlt ein zentrales Thema, über das die Grünen sich definieren könnten. Klimaschutz und Umweltschutz allgemein - einst ihr originäres Hauptanliegen - haben die anderen Parteien längst vereinnahmt. Vorne weg Angela Merkel, auch wenn das Image der Klimakanzlerin inzwischen arg lädiert ist. Jenseits des Themas "Atomausstieg" gibt es bei den Grünen kaum programmatische Klarheit. Und immer wieder, wie beim Afghanistan-Mandat der Bundeswehr, meutert die Basis. Keine guten Startvoraussetzungen sind das also ins Wahljahr 2009. Auch wenn Renate Künast anderes herbei beschwören will.

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