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Hätte Donald Trump doch geschwiegen!

Frank Giarra
Frank Giarra FOTO: Klaus Kimmling
Der US-Präsident führt die Welt an den Abgrund.

Eine alte lateinische Redensart lautet: Si tacuisses, philosophus mansisses - wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben. US-Präsident Donald Trump war zwar noch nie ein Philosoph, sondern schon immer ein Narziss, gleichwohl passt dieser Spruch perfekt zu ihm. Hätte er doch geschwiegen!

Nicht nur diesmal, aber diesmal ganz besonders. Denn mit seinen martialischen Drohungen gegenüber dem nordkoreanischen Regime führt Trump die Welt an den Rand eines Abgrunds, in den sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nie wieder blicken wollte.

Wenn der amerikanische Präsident tönt, seinem kommunistischen Widersacher Kim Jong Un mit "Feuer, Wut und Macht" zu begegnen, "wie es die Welt noch nicht gesehen hat", dann kann der fanatische Machthaber das nur als Androhung eines Angriffs, auch mit Atomwaffen, auffassen. Zumal das Datum der Drohung kein Zufall gewesen sein dürfte, denn am 9. August ist es exakt 72 Jahre her gewesen, dass die USA eine Atombombe über dem japanischen Nagasaki abgeworfen haben. Entsprechend fällt die Antwort aus Nordkorea aus: "grenzenloser Krieg".

Die indirekte Drohung, Atomwaffen einzusetzen, gehört seit Jahrzehnten zur amerikanischen Außenpolitik. Aus gutem Grund waren die mächtigsten Männer der Welt immer vorsichtig damit, sie auch auszusprechen. Dass Trump mit diesem Grundsatz praktisch bricht, und das ausgerechnet gegenüber einer unberechenbaren Atommacht, als die Experten Nordkorea mittlerweile betrachten, kann man nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Leider ist das keine der üblichen Dummheiten, wie sie Trump beinahe täglich über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, sondern es ist in einer ohnehin angespannten Situation extrem gefährlich.

Kim denkt gewiss nicht daran, sein atomares Raketenprogramm aufzugeben. Er rasselt schon lange mit dem Säbel. Er will sein Land aus der Isolation herausführen. Er will etwas gelten.

Trump wäre klug beraten gewesen, dem chinesischen Vorschlag zu folgen und auf den Diktator zuzugehen, zumal er schon einmal unverhohlen Sympathie für Kim hat erkennen lassen. So aber hat der US-Präsident nur noch die Wahl, entweder seine Glaubwürdigkeit und die seines Landes aufzugeben oder einen Krieg zu beginnen. Ersteres wäre nicht gut für Amerika, Letzteres fatal für die ganze Welt.
Hoffentlich gelingt es einem der militärischen Experten, mit denen sich Donald Trump so gerne umgibt, vielleicht seinem Stabschef John Kelly, ihn von seiner Kriegsrhetorik abzubringen. Auf seine Verbündeten von der Nato hört er ja schon lange nicht mehr. f.giarra@volksfreund.de