1. Meinung

Hier liegen die Probleme beim Impfen

Die Woche im Blick : Das sind die Schwierigkeiten beim Impfen

Das Impfen gegen Corona startet wohl direkt nach Weihnachten. Warum unsere Region beim Beginn nicht dabei ist und welche Herausforderungen die größten sind.

Am 27. wird es wohl so weit sein: Dann soll die Corona-Impfkampagne in Deutschland starten. In den vergangenen Wochen ist reißerisch in manchem Medium darüber geschrieben worden, warum es anderswo schneller geht als bei uns. Es ist philosophiert worden, dass wir eine Notfall-Zulassung benötigten. Es ist Druck aufgebaut worden, um die europäische Zulassungsbehörde anzutreiben. Am 23. soll nun die Zulassung erteilt werden, statt wie vorgesehen bis zum 31. Wer ehrlich ist, gibt zu: Diese wenigen Tage entscheiden kaum bis gar nicht über den Erfolg in den nächsten Monaten.

Entscheidend sind andere Dinge – und darüber wird leider noch wenig geredet. Die Impfkampagne wird schon in den ersten Wochen anspruchsvoll. In den Heimen, in denen zunächst geimpft werden soll, müssen Einverständniserklärungen vieler Betreuer eingeholt werden. Sind die Abläufe klar? Sind die Formulare dafür geeignet? Das wird sich schnell zeigen. Zudem ist abzusehen: Zumindest zum Start wird der Impfstoff nicht in der benötigten Menge zur Verfügung stehen. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sprach uns gegenüber von einer „Priorisierung der Priorisierung“. Zwar sollen zuerst die Bewohner und Mitarbeiter in den Altenheimen geimpft werden, doch dafür gibt es zunächst nicht ausreichend Impfstoff. Wie wird dann ausgewählt? Absehbar danach, wo die meisten Neuinfektionen stattfinden. Und damit wird ebenfalls deutlich: Direkt nach Weihnachten ist bei uns nicht mit dem Impfstart zu rechnen – obwohl es hier ebenfalls immer wieder Ausbrüche in Heimen gibt.

Es ist nun das gefragt, was so wichtig ist: Solidarität und Zusammenhalt. Zusätzlich aber auch der kritische Blick, ob den Ankündigungen Taten folgen. Dabei kommt es weniger auf die erste Impfung an, schon gar nicht darauf, wer dabei ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist. Sondern um eines: die Impfkampagne über die nächsten Monate gewissenhaft durchzuführen und allen Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, warum wer an der Reihe ist und warum andere warten müssen.

t.roth@volksfreund.de