1. Meinung

Im Autoland Niedersachsen wird es schmutzig

Im Autoland Niedersachsen wird es schmutzig

Ministerpräsident Stephan Weil droht ein Totalschaden.

Nun müssen die Niedersachsen zweimal wählen - nach der Bundestagswahl geht es einen Monat später im Autoland auf die Zielgerade. Der Wahlkampf läuft schon auf vollen Touren: CDU-Herausforderer Bernd Althusmann will Ministerpräsident Stephan Weil überholen.

Weil, Typ kumpeliger Landesvater, würde gerne die Zeit zurückdrehen: Gestartet als Überraschungssieger legte seine Beliebtheit zu, er erlaubte sich keine größeren Fehler. Die rot-grüne Regierung sammelte trotz einiger Querelen Pluspunkte, etwa mit der Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren.Mittlerweile ist vieles anders: Da wechselt eine Grünen-Abgeordnete Richtung CDU und bringt die Ein-Stimmen-Mehrheit zum Einsturz. Weils Parteifreunde jammern, klagen, mancher vergreift sich deutlich im Ton. Denn noch geht es um einen Wechsel, der in jeder Demokratie möglich ist. Es geht um das freie Mandat. Ob der Einsatz der abtrünnigen Grünen genau diese Wählerstimmen wert war? Wer will das entscheiden.

Weil reagiert durchaus staatsmännisch, kündigt schon vor dem Wochenende an, schnell wählen zu lassen, schluckt den Ärger hinunter. Doch nun wird es dreckig. Der Diesel-Skandal, der Betrug am Kunden, ist seit zwei Jahren Weils Hauptbaustelle. Vorher war der Posten als Aufsichtsrat bei Volkswagen ein Traumjob. Das erfolgreichste deutsche Unternehmen zu kontrollieren machte Spaß, bei Gewinn und Beschäftigung ging es immer nach oben. Seit dem Skandal muss Weil wirklich den Aufklärer bei VW geben, sich distanzieren und auf mehr als 100000 Arbeitsplätze in seinem Bundesland achten.

Dass Weil zu Beginn des Skandals VW Reden vorlegte, um diese auf inhaltliche Fehler zu prüfen, ist seit einem Jahr bekannt. Und es ist zumindest zu erklären mit dem Blick zurück - mit der ungeklärten rechtlichen Situation, mit der Gefahr hoher Schadenersatzforderungen. Dass die Vorwürfe gerade jetzt wieder hochkommen, ist sicher kein Zufall. Und dass die CDU sogar Weils sofortigen Rücktritt fordert, ist abstrus. Einerseits, weil nach Blick auf die Änderungen in Weils Rede nicht viel übrig bleibt von den anonymen Vorwürfen der weichgespülten Rede. Andererseits, weil Schwarz-Gelb in Niedersachsen selbst lange die Nähe zu VW suchte, Erfolg und schöne Fotos im Blick, aber eben nicht Risiken oder die Kontrolle. Das eint gerade die großen Parteien im Land stärker, als sie es zugeben wollen. Arme Niedersachsen - es rollt ein schmutziger Wahlkampf auf sie zu.t.roth@volksfreund.de