Im politischen Swinger-Club

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In Thüringen hätte die SPD mit den Linken regieren können, wählte aber die CDU, weil es ihr sicherer schien. In Brandenburg hätte sie mit ihrem alten Partner CDU weiterregieren können, wählte aber die Linke, was eher unsicher, weil unbekannter ist.

Und im Saarland tobt die SPD gegen die Grünen, die ihr Traum- und Wunschpartner sind, weil die mit der Union und der FDP fremdgehen. Mit jener FDP übrigens, die nichts mehr hasst, als Öko-Programme. Die ganze Politik - ein schamloser Swingerclub? Fast scheint es so, doch lässt sich jede einzelne Koalitionsentscheidung sehr gut begründen. Nicht immer rational, mitunter auch emotional, aber auch das kann ein guter Grund sein. In einer Koalition muss eben alles stimmen: das gemeinsame Regierungsprogramm und die Chemie zwischen den führenden Personen. Das war zwischen Grünen und Linken im Saarland und ebenso zwischen SPD und Linken in Thüringen nicht der Fall. In Brandenburg hat Matthias Platzeck ganz nüchtern gesehen, dass die Linkspartei dort im Moment stabiler und damit wahrscheinlich verlässlicher ist als die Union, die böse interne Grabenkämpfe hinter sich hat. Ein Schema steckt hinter all diesen Koalitionsentscheidungen jedenfalls noch nicht. Außer vielleicht dem, dass Pragmatiker größere Chancen zu einer Regierungsbeteiligung haben als Ideologen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum der eher radikalen West-Linken mit ihrem Anführer Oskar Lafontaine bisher noch kein einziger Einzug in eine Koalitionsregierung gelungen ist.

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