Keine Schockerlebnisse erlaubt

Keine Schockerlebnisse erlaubt

Die Polizei, dein Freund und Helfer! Wie sehr würden sich viele Beamte, die in unserem Land im Schichtdienst rund um die Uhr auf Streife unterwegs sind, dieses Motto an den Kragen des Diensthemds heften. Natürlich gibt es noch immer Tage und Gegenden, in denen Gewalt und Kriminalität eher eine Ausnahme sind.

Allein deren Zahl wird kleiner, scheinbar entgegengesetzt proportional zu der Menge der Polizisten, die physisch und mental an die Grenzen kommen.
Da mag die Landesregierung mit der Einstellung von jährlich 500 neuen Anwärtern an ihre gefühlte Schmerzgrenze gehen. Zur kurzfristigen Entlastung der personell deutlich unter dem Soll agierenden Landespolizei wird das zumindest kurzfristig nicht reichen. Die vorbildliche Sozialarbeit, besonders im Bereich des Polizeipräsidiums Trier, wird nicht ändern können, dass sich viele der im Durchschnitt 47 Jahre alten Polizistinnen und Polizisten ausgelaugt und auf der Schwelle zum Burn-out fühlen.
Was das mit der Diskussion um Taser zu tun hat? Die Antwort darauf ist einfach: Die Distanz-Elektroimpulswaffe kann den Beamten zumindest etwas von der Angst nehmen, die sie in den einen oder anderen Einsatz begleitet.
Denn nicht für jeden Zwischenfall taugen Schlagstock oder Pfefferspray, um einen Angreifer abzuwehren oder in Schach zu halten. Erst recht muss der Einsatz der Dienstpistole absolute Ausnahme für die schlimmste Notsituation sein.
Der Taser könnte, nach allem, was bislang darüber zu erfahren ist, diese Lücke schließen. Zudem wäre der Plättchen verschießende Elektroschocker im Anschlag eines Polizeibeamten ein deutliches Warnsignal für mögliche Gewalttäter, sich zu mäßigen. Die Hemmschwelle, den Abzug zu betätigen, wäre für die Polizisten zweifellos und zu Recht deutlich geringer als bei einer Schusswaffe. Angst lähmt. Für Polizisten sollte das nicht gelten, für Gewalttäter umso mehr.
So tut das Innenministerium gut daran, die Einführung der bislang für Spezialkräfte reservierten Elektrowaffe intensiv zu prüfen. Risiken und Nutzen sind dabei abzuwägen.
Am Ende wird es natürlich Schulungen und Vorgaben für den Einsatz geben. Jeder Polizist wird sich für sein Tun verantworten müssen. Wer daran zweifelt, dass dies in einem demokratischen Land passiert, hat das Vertrauen in unsere Staatsform verloren. Eine starke, unabhängige, selbstbewusste und nach Gerechtigkeit strebende Polizei unter der Obhut des Parlaments ist ein wichtiger Pfeiler unserer Gesellschaft. Daran darf sich nichts ändern.
r.neubert@volksfreund.de

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