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Kommentar: Demut steht dem Team gut zu Gesicht

Kommentar: Demut steht dem Team gut zu Gesicht

"Da ist das Ding", würde Ex-Torwart-Titan Olli Kahn jubilieren. Weltmeister.

Endlich. Erstmals wieder seit 24 Jahren.
Und schon schießen sie aus ihren Löchern. Die Trittbrettfahrer, die sich sonnen wollen im Glanz von Jogis Jungs. Politiker, Schauspieler, andere Promis der Kategorien A bis C.
Wir sind Weltmeister. Dank der deutschen Tugenden. Dank Einsatz, Willenskraft, Disziplin.
Es lebe das Klischee. Und die Überhöhung.
Nüchtern betrachtet ist der Titel das Resultat einer mehrjährigen akribischen Vorarbeit. Der Erfolg hat viele Väter. Anfang dieses Jahrtausends wurde die Förderung des deutschen Fußballnachwuchses umgekrempelt.
Mit Jürgen Klinsmann als Vorturner der Nationalmannschaft hielt ein neuer Führungs-, Motivations- und Spielstil Einzug. In dessen Schatten bereitete Joachim Löw den Boden, auf dem der deutsche Fußball hierzulande wieder farbenfroher gedeihen sollte.
Wir sind ein Team. Aufgaben rund um die Nationalelf wurden neu geordnet, vermeintliche Randthemen aufgewertet (Fitnesscoaching, mentale Betreuung).
Die Vereine und der Verband rückten näher zusammen, auch wenn es knirschte. 2006, beim Sommermärchen im eigenen Land, fehlte der Nationalmannschaft die Reife zum ganz großen Coup. 2010 in Südafrika mangelte es noch an der letzten Konsequenz.
2014 in Brasilien stimmte alles. Das Umfeld in Gestalt des lange belächelten Campo Bahia als neuer Form der Teamunterkunft. Der Teamgeist zwischen den einst eher verfeindet gegenüberstehenden Spielern von Borussia Dortmund und Bayern München. Die Erfahrung der Spieler, die schon große Schlachten auf internationaler Ebene geschlagen haben. Und die Mischung aus Prinzipientreue und Flexibilität in den Entscheidungen des Bundestrainers, der sich jeglicher Hektik in der Beurteilung seiner Arbeit erfolgreich entzog.
"Die deutsche Mannschaft wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein", hatte der damalige Teamchef Franz Beckenbauer nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 im Überschwang der Gefühle gesagt. Dass jetzt, nach der erfolgreichen Titelmission 2014, keine vergleichbaren Parolen vom Stapel gelassen werden, ist ein erfreuliches Indiz für die der Nationalmannschaft gut zu Gesicht stehende Demut im Moment des größtmöglichen Erfolgs.

m.blahak@volksfreund.de