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Kommentar: Jojo-Lockdown ist kein Mittel gegen die Pandemie

Kommentar : Jojo-Lockdown ist kein Mittel gegen die Pandemie

Nach dem Lockdown darf nicht immer vor dem nächsten Lockdown sein! Endlich ehrlich sein und Klartext reden, das fordert unsere Kommentatorin von der Politik. Doch das ist nicht alles:

Der Begriff Lockdown hat Einzug gehalten in die deutsche Alltagssprache. Wörtlich aus dem Englischen übersetzt heißt es etwas zwischen Abriegelung und Ausgangssperre. Im Gedächtnis wird der Begriff als Synonym für das bleiben, was unvorstellbar schien und dennoch seit einem Jahr das Leben bestimmt: Kontaktbeschränkungen, Schul-, Restaurant- und Geschäftsschließungen, Ausgangssperren, Home Office, Reise- und Feierverbot. Wie schön wäre es, wenn man ein Jahr später schon darauf zurückblicken könnte. Auf eine längst abgeschlossene, äußerst merkwürdige Phase.

Doch die Realität sieht leider im März 2021 anders aus. Statt endlich Ostern wieder mit Freunden und Verwandten im Osterurlaub oder in der heimischen Gastronomie zu verbringen, wird es erneut ein Fest der Einsamkeit sein. Aller Voraussicht nach werden Bund und Länder erneut einen wie auch immer gearteten Lockdown beschließen. Jo-Jo Lockdown aber ist kein Konzept mehr gegen die Pandemie.

Warum stehen nicht vor jeder Schule FFP2-Masken-Spender, warum gibt es kein Schnelltestkonzept in Hotels und Gastronomie? Warum dürfen die Geschäfte mit „Click and Collect“ nicht weitermachen, wenn in Supermärkten sich die Leute auf den Füßen stehen? Warum darf es keine Außengastronomie geben? Warum werden Arbeitgeber nicht stärker in die Pflicht genommen, um das Aufeinandertreffen von Menschen in Büros zu verhindern? Warum überwiegt der Datenschutz in einer aktuellen Katastrophenlage das Corona-Management? Warum werden nicht die vorrangig geimpft, die das öffentliche System am Laufen halten? Warum bleiben Termine in Impfzentren in großem Maße ungenutzt? Und: Schafft man es wirklich, die Pandemie ohne Impfpflicht so zu bekämpfen, so dass sie den Alltag nicht künftig mehr einschränkt? Wie lange sich die Politik um diese Antwort noch herumdrücken kann - abwarten. Die Liste der Fragen jedenfalls wird immer länger.

Nach dem Lockdown darf nicht immer vor dem nächsten Lockdown sein. Für die Politik gilt es,  Antworten zu finden, die zwischen Kontakteinschränkungen und dem Aufrechterhalten eines gewissen sozialen und wirtschaftlichen Leben eine sinnvolle Balance ergeben. Die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern bleibt richtig - aber die Inzidenzzahlen auf Teufel komm raus drücken zu wollen, ist nicht mehr der richtige Weg, wenn gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Verwerfungen ausblieben sollen. Ein Weg wäre, auch die Impfquote und die Belastung der Intensivstationen in „Notbremsen“-Berechnungen mit einzubeziehen.

Hier muss die Politik sich ehrlich machen. Das Leben - es wird noch lange nicht mehr so unbeschwert sein, wie vor dem Tag als das Wort Lockdown Eingang die deutsche Sprache fand.