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Klimawandel: Kommentar: Keine Zeit mehr fürs Zögern und Zaudern

Klimawandel : Kommentar: Keine Zeit mehr fürs Zögern und Zaudern

Nach dem Weltklimarat weist nun auch eine Gruppe internationaler Wetterforscher auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes hin.

Es klingt für den Laien zwar harmlos, wenn die Meteorologen zu dem Ergebnis kommen, dass Starkregenereignisse wie die jüngste Flutkatastrophe in Europa künftig nicht mehr alle 2000, sondern alle 400 Jahre eintreten werden. Doch genauer betrachtet verbirgt sich dahinter ein Alarmsignal: Die 400 Jahre beziehen sich jeweils nur auf eine bestimmte Region.

Das heißt: In irgendeiner Region Europas wird es einmal in 400 Jahren eine Flutkatastrophe geben. Da es in Europa aber Tausende Regionen gibt, könnten Überschwemmungen künftig sehr viel häufiger vorkommen als bisher. Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Katastrophe in einer Region hat sich bereits um den Faktor 1,2 bis neun erhöht.

Klar ist, dass die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels schon heute stärker ausfallen können und häufiger auch bei uns zu spüren sein werden, als Viele bisher angenommen haben. Zeit fürs Zaudern und Zögern, fürs Prüfen und Streiten, Abwarten und Nicht-Handeln gibt es nicht mehr. Gut, dass die Jugendbewegung Fridays For Future auf diese Dringlichkeit mit all ihrer Power ständig aufmerksam macht. Auch jüngere und künftige Generationen haben ein Recht auf ein Leben in einer noch halbwegs intakten Natur. Auf dieses Recht der Kinder und Enkel haben frühere und ältere Generationen bisher gepfiffen. Es musste erst das Bundesverfassungsgericht kommen, um ein schärferes Klimaschutzgesetz zu erzwingen.

Doch in diesem Gesetz sind nur ambitioniertere Klimaziele verankert. Wie die Klimaziele erreicht werden sollen, sagt das Gesetz nicht. Das überlässt diese Bundesregierung der nächsten. Die wird ein kleines Wunder vollbringen müssen: Schon bis 2030 sollen 65 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energien kommen. Momentan sind wir erst bei 46 Prozent des Stromverbrauchs angelangt, und die eigentlich relevantere Größe, der Primärenergieverbrauch, wird erst zu 17 Prozent mit regenerativen Energien bestritten.

Der Ausbau der Windräder wird massiv beschleunigt werden müssen – gegen den Widerstand der Bürgerinitiativen vor Ort. Die nächste Regierung wird Wohlstandssicherung und Klimaschutz miteinander vermählen müssen, sie darf beides auf keinen Fall als Gegensatz begreifen. Weite Teile der Wirtschaft sind da schon viel weiter als Teile aller Bundestagsparteien, ausgenommen die Grünen.

Aus den Studien lässt sich auch ableiten: Der deutsche Kohleausstieg kommt im Jahr 2038 zu spät. Er ist, zumindest in Westdeutschland, auch schon deutlich früher möglich. Die nächste Regierung sollte hier einen schnelleren Ausstiegspfad beschließen. Das Argument, dass andere Weltregionen, namentlich China, gleichzeitig ihre Kohlekraftwerks-Kapazitäten ausbauen, ist ein veritables Argument.

Es sollte aber nicht dazu führen, beim Klimaschutz selbst die Hände in den Schoß zu legen: Jede Anstrengung ist in diesem Kampf ums Überleben wichtig. Das Argument taugt aber dazu, die nächste Regierung und die EU anzutreiben, internationale G-20 Abkommen mit China und den USA anzustreben. Der Vorschlag eines CO2-Mindestpreises in den stärksten Emissionsländern der Welt ist zielführend.