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Kommentar: Neuerburg soll sich erneuern wie der Beilsturm

Meinung : Kommentar: Neuerburg soll sich erneuern wie der Beilsturm

Paris wehrte sich entschieden gegen den Bau des Eifelturms. Nun ist Neuerburg freilich nicht Paris und der Vergleich hinkt gewaltig. Aber was Paris damals diskutierte, gilt auch heute noch.

Zerstören moderne Gebäude das Antlitz historisch gewachsener Städte? Nein. Zumindest nicht, wenn sie behutsam integriert werden. Lasst die Kirche im Dorf. Der Turm steht Neuerburg vortrefflich und ist das richtige Zeichen. Es passiert etwas – endlich, will man rufen. Die Prognose, das mittelalterliche Neuerburg könnte seinen historischen Charme verlieren, trat nicht ein. Wie auch?

Es ist nur ein Turm der modernisiert wurde – nicht die Burg, nicht St. Nikolaus und auch die mittelalterlichen Gassen sehen noch immer aus wie man sie kennt. Ein einziges Gebäude, das zu allem Überfluss vor der Modernisierung auch noch den Eindruck erweckte, jederzeit umfallen zu können, verschandelt keine Stadt. Der Logik der Skeptiker zu folgen und nur historisierenden Bauten einen Zuschlag zu gewähren, würde dazu führen, dass die Eifel aussähe wie Disneyland: Ein Prinzessinen-Türmchen hier, eine vermeintlich alte Fassade dort.

Die Touristen blieben weg, wenn der Beilsturm Neuerburg so verschandelt werde? Eine steile These. Kommen wegen der Neubauten am See weniger Menschen nach Echternach? Nein, eher mehr, denn sie sehen eine sich weiterentwickelnde Stadt, die ihr Erbe pflegt, wo es pflegbar ist und auf Neues setzt, wo Verlorenes nicht mehr da ist. Die Eifel braucht keine Garnisons- oder Frauenkirchen, keine wiederaufgebauten Stadt- oder Residenzschlösser. Sie braucht Menschen mit Ideen und Visionen. Wer Neuerburg besucht, soll erkennen, dass sich die Stadt erneuert, dass dort Leben herrscht und nicht der Stillstand das Zepter in der Hand hält. Neuerburg sei mutig. Du bist wunderschön, aber der Lack ist – verzeih die Bemerkung – an manchen Stellen ab. Mach Dich wieder hübsch, zeig dass Du lebendig bist.