1. Meinung

Kommentar: Trierer Bistumsreform ist ein großer Wurf

Kirche : Ein großer Wurf

Die Bistumsreform ist mutig und konsequent.

Demokratisch, mutig, zukunftsweisend. So lässt sich das beschreiben, was im Bistum Trier in den letzten Jahren erarbeitet worden ist und was jetzt als Reform von wahrhaft historischen Ausmaßen auf dem Tisch liegt. So viel Mut und Weitblick würde man sich von Politikern auf allen Ebenen wünschen.

Wenn man die Zahl der Pfarreien von über 800 auf gut 30 reduziert, dann geht das natürlich nicht ohne Schmerzen, Klagen oder Meinungsverschiedenheiten. Und natürlich sind solche großen Würfe immer auch ein Stück weit ungerecht – oder die Menschen vor Ort empfinden das so. Schließlich werden dabei ja auch Dinge miteinander verknüpft, die zum Teil seit Jahrhunderten anders ausgerichtet waren. Und es geht natürlich in vielen Pfarrgemeinden auch um Geld, um Vermögenswerte und um Befürchtungen, durch fehlende Nähe oder solche Mammut-Einheiten komme die pastorale Versorgung der Menschen zu kurz oder sogar ganz zum Erliegen.

Und natürlich stellt man sich vor allem in den Hunderten von kleinen und größeren Orten zu Recht die Frage, ob die Kirche im wahrsten Sinne des Wortes im Dorf bleibt und was aus ihr wird.

Auch darauf muss das Bistum überzeugende Antworten finden.

Solche Befürchtungen muss Bischof Stephan Ackermann ernst nehmen, und das hat das Bistum auch getan. Nicht zuletzt deshalb wurde ja der jüngste Entwurf in Teilen mehrmals verändert.

Es war nicht der Bischof, der seinen Schäfchen irgendein Konzept aus dem stillen Kämmerlein des Generalvikariats überstülpt, sondern es war eine Synode, die lange und ernsthaft getagt hat, die auch mit vielen Laien besetzt war und schließlich zu diesem bahnbrechenden Ergebnis kam.

So viel Basisdemokratie trauen viele der katholischen Kirche gar nicht zu! Schon deshalb verdient das, was jetzt auf dem Tisch liegt, hohen Respekt. Zumal die Rahmenbedingungen große Schritte nötig machen – auch wenn das vielen nicht gefällt. Es gibt immer weniger Priester, aber auch die Zahl der Schäfchen sinkt ständig. Und von denen lassen sich immer weniger in den Gottesdiensten oder Andachten blicken. Zweimal im Jahr – an Ostern und Weihnachten – mag es der Durchschnittsgläubige gerne feierlich, ansonsten sieht man ihn in Kirchen und Kapellen meist nur noch bei Beerdigungen, Hochzeiten oder Taufen. Wer jemals während der Woche in einer Abendmesse war, kennt das. Die Besetzung besteht in der Regel aus gut einem Dutzend Besuchern, ein bis zwei Messdienern, einem Pfarrer und der Küsterin. Und sonntagsmorgens sieht es nur unwesentlich anders aus.

So ist vielerorts die Lage. Auch deshalb muss die Kirche neue Formen und Antworten finden.

Bei dieser Reform geht es aber zunächst einmal um eine neue Organisationsform des ältesten deutschen Bistums. Dabei entscheidet die Zahl der Dekanate und Pfarreien nicht über das Seelenheil der Menschen. Darüber wird – zumindest für die Gläubigen – anderswo befunden.

d.schwickerath@volksfreund.de