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Kommentar zu Banken: Warum Filialschließungen von Banken riskant sind

Meinung : Kommentar zu Filialschließungen von Banken: Begreiflich, aber ein Balanceakt

Die Corona-Pandemie beschleunigt Entwicklungen, die ohnehin schon in Gang waren. Ähnlich ist das beim Rückzug kleiner Filialen aus vielen Orten.

Weil die Corona-Krise viele Menschen dazu getrieben hat, ihre Bankgeschäfte von zu Hause aus zu erledigen und nicht mehr mit dem geliebten Bargeld zu zahlen, sind Online-Banking und Kartenzahlung plötzlich selbst für viele vormalige Digitalmuffel so selbstverständlich geworden wie morgens die Tasse Kaffee zum Frühstück. Die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Und das ist richtig so. Weil das Kunden-Aufkommen in vielen kleinen Filialen zu wünschen übrig lässt, ist so manche Schließung konsequent. Die Menschen, denen sie wehtut, müssen die Banken aber zur Seite stehen. Nicht jeder Senior hat das Selbstvertrauen, sich technische Fähigkeiten anzueignen, die es für sicheres Online-Banking braucht. Davon gibt es offenkundig immer noch genug Kunden. Laut einer Bitkom-Umfrage ist der Anteil bei den Über-65-Jährigen, die Online-Banking betreiben, in der Pandemie zwar von 22 auf 39 Prozent gestiegen. Das heißt aber auch, dass nach wie vor 61 Prozent in dieser Altersgruppe auf Online-Banking verzichten. Sie brauchen also Hilfe. Das kann entweder eine regelmäßige Beratung sein, der direkte Besuch beim Kunden oder Modelle wie der mobile Bankenbus, der Orte ansteuert, denen es an Filialen fehlt.

Eine weitere Gefahr für Banken und Sparkassen: Wenn der gegenseitige Kontakt und damit die gegenseitige Sympathie wegfällt, ringt sich mancher Kunden vielleicht eher dazu durch, gleich zu einer Internet-Privatbank zu wechseln. So begreiflich die Schließung vieler Filialen ist, so sehr ist sie also auch immer ein Balanceakt.

f.schlecht@volksfreund.de