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Kommentar zu Kita-Öffnungen in Rheinland-Pfalz

Kommentar zu Kita-Öffnungen in Rheinland-Pfalz : Die Leitlinien lassen Eltern im Stich

Warum das Papier von Land, Trägern und Elternvertretern mutlos ist und Fragen offen lässt.

Die Leitlinien, die das SPD-geführte Bildungsministerium mit Trägern, Elternvertretern und Gewerkschaften erarbeitet hat, lassen sich in einem Sprichwort zusammenfassen: Viele Köche verderben den Brei! Denn das Papier, wie Kitas ab Juni wieder möglichst viele Kinder zulassen sollen, ist mutlos und lässt viele Eltern im Stich, denen es nach wie vor an Sicherheit fehlt.

Klar: Kitas liegen in der Hand von Trägern, eine landesweite Vergleichbarkeit ist schlicht unmöglich. Mancherorts sind Einrichtungen klein und haben viele ältere Erzieher, die zur Risikogruppe gehören. Andernorts arbeiten mehr jüngere Betreuer, toben Kinder in modernen Neubauten.

Trotzdem hat es das Land verpasst, in den Leitlinien zumindest grobe Ziele mit Trägern zu vereinbaren, an denen diese sich messen lassen müssen. Wie viel Prozent der Kinder sollen nun mindestens in die Kitas? Wie viele Stunden in der Woche können sich Eltern sicher darauf verlassen, ihre Kinder betreut zu wissen? Nach welchen Kriterien müssen sich Kitas in jedem einzelnen Fall genau richten, wenn es darum geht, welches Kind sie betreuen und welches sie abweisen? Und woher sollen Vertretungskräfte kommen, wenn Erzieher ausfallen?

All das taucht in dem Papier nicht oder so halbgar auf, dass das Konzept die Gefahr eines landesweiten Flickenteppichs heraufbeschwört, der bei Eltern berechtigtes Unverständnis auslösen würde. Die Träger stehen nun in der Pflicht, die Freiheiten der Leitlinien gewissenhaft zu nutzen und Konzepte zu entwickeln, durch die so viele Kinder wie möglich in die Kitas dürfen. Die Mahner haben aber recht: Enttäuschte Eltern wird es sicher geben.

f.schlecht@volksfreund.de