Zum Parteitag der Freien Wähler Die Botschaft der Abweichler: So nicht, Herr Vorsitzender!

Meinung | Bitburg · Vier der sechs Abgeordneten der rheinland-pfälzischen Freien-Fraktion haben sich auf dem Parteitag gegen ein Kooperationsverbot mit der AfD ausgesprochen. Die Abweichler sind keinesfalls für eine Zusammenarbeit mit der AfD – vielmehr setzen sie ein anderes Zeichen.

Stephan Wefelscheid, Landesvorsitzender der Freien Wähler, spricht auf dem Bundesparteitag der Freien Wähler in Bitburg.

Stephan Wefelscheid, Landesvorsitzender der Freien Wähler, spricht auf dem Bundesparteitag der Freien Wähler in Bitburg.

Foto: dpa/Harald Tittel

Nach der zumindest in Teilen verkorksten Bitburger Abstimmung sind inzwischen alle Seiten hörbar darum bemüht, den Zoff nicht weiter eskalieren zu lassen. Darum geht’s: Vier der sechs Abgeordneten der rheinland-pfälzischen Freien-Fraktion haben sich auf dem Parteitag gegen ein Kooperationsverbot mit der AfD ausgesprochen. Die Abweichler sind keinesfalls für eine Zusammenarbeit mit der AfD. Aber sie sind unzufrieden mit der Art und Weise, wie der Antrag letztlich vom Koblenzer Kreisverband eingebracht worden ist und wie einzelne Fraktionsmitglieder von Landeschef Wefelscheid behandelt worden sein sollen. Das jedenfalls pfeifen die Spatzen jetzt von den Dächern.

Klar ist auch für Außenstehende, dass im Vorfeld des Bundesparteitags etwas Gravierendes vorgefallen sein muss. Sonst lässt man es zu einem solchen Mini-Eklat auf offener Bühne gar nicht erst kommen. Es liegt doch auf der Hand, dass das Votum der vier Abweichler als Misstrauensvotum gegen den eigenen Landesvorsitzenden gewertet werten muss. Das sollte es auch sein, auch wenn jetzt alle Seiten so tun, als sei es geradezu ein Wesenszug der Freien Wähler, dass sie ihre Meinung auch frei äußern dürfen.

Natürlich dürfen sie dies. Aber sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass sie ihrem Vorsitzenden nicht folgen, sondern ihm sogar die Beine wegziehen, wenn er springen will. Die Konsequenz ist, dass die rheinland-pfälzischen Freien in der Öffentlichkeit bei all ihrer gegenwärtigen Strahlkraft eben auch als zerstrittener Haufen wahrgenommen werden.

Dass Stephan Wefelscheid das im Vorfeld des Parteitags nicht richtig eingeschätzt hat und er offenbar nicht versucht hat, den Konflikt frühzeitig zu entschärfen, war sein Fehler. Der Landesvorsitzende und – nach einem möglichen Weggang Joachim Streits Richtung Brüssel – vielleicht demnächst auch Fraktionschef sitzt keineswegs so fest im Sattel, wie er selbst vollmundig verkündet. Um beim Bild zu bleiben: Ein Gurt von Wefelscheids Sattel ist jetzt heftig angeritzt.

Wenn der Vorsitzende nicht aufpasst und den Gurt repariert, könnte er beim nächsten Mal reißen. Das war die eigentliche Botschaft der vier Abweichler aus den eigenen Reihen.

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