Zum Programm des Moselmusikfestivals 2024 Ein deutlicher Einschnitt

Meinung | Bernkastel-Kues / Trier · Das Moselmusikfestival wird auch 2024 mit einem umfangreichen Programm um Zuschauer werben. Doch frühere Angebote fehlen nun, andere sind neu. Ein Kommentar.

Ein Highlight des Moselmusikfestivals 2023: Das Abschlusskonzert im Trierer Dom

Ein Highlight des Moselmusikfestivals 2023: Das Abschlusskonzert im Trierer Dom

Foto: Hans Kraemer

Es ist wieder ein schöner, stattlicher Katalog geworden, mit dem das Moselmusikfestival in seinem 39. Jahr für Kulturevents an Orten der Mosel, der Saar und in Luxemburg wirbt. Das Programm bietet mehr Jazz denn je, gibt der Literatur sowie weiblichen Künstlern Raum und bindet auf vielfältige Weise Musikerinnen und Musiker aus der Großregion ein, nicht nur beim Doppeljubiläum zweier Trierer Chöre. Dennoch sind die Unterschiede zu früheren Programmen nicht zu übersehen.

Wo ist die Konzertreihe „Nachts in …“ geblieben, die jahrelang Kirchen und Museen füllte, darunter mehrfach den riesigen Dom? Wo bleibt die Reihe „Kopfhören“, die als begehbares Hörspiel für besondere Orte entwickelt wurde? Hat sie nicht gerade das ermöglicht, was zur DNA des Festivals gehört: besondere Orte der Region zu bespielen? Auch die „Sommersprossen“-Angebote für Kinder und Jugendliche und die „Campus“-Veranstaltungen für den musikalischen Nachwuchs werden 2024 nicht weitergeführt. Große Gastorchester stehen ohnehin nicht auf dem Plan.

Sind das die Folgen des Kostendrucks, vor denen Intendant Tobias Scharfenberger schon seit längerem warnte? Es sieht so aus – auch wenn das Land seinen Zuschuss noch einmal deutlich erhöht hat. Die sechs Kommunen der Mosel-Region, die als Gesellschafter gemeinsam etwa 15 Prozent der Kosten tragen (Budget: knapp 1,1 Million Euro), können oder wollen sich angesichts ihrer Haushaltslagen finanziell nicht stärker engagieren.

So wurde nun die Zahl der Konzerte auf 42 reduziert, 2022 waren es noch 57 gewesen. Und es passt, dass eine zahlungskräftige Zielgruppe umworben wird, für die kulinarische Genüsse eine große Rolle spielen. Neu im Programm sind drei „Klanggenuss“-Abende mit 3-Gang-Menü für 159 Euro inklusive Sektempfang und Weinempfehlung, bei denen Live-Jazz-Musik gespielt wird. Alternativ kann das Publikum für „nur“ 74 Euro einen der bewährten „Weinklang“-Abende als Kombination aus Weinprobe und Konzert buchen.

Ob es mit solchen Angeboten gelingt, das Moselmusikfestival zu stabilisieren und ihm kurz vor seinem 40. Geburtstag Perspektiven zu geben, darf bezweifelt werden. Den Anspruch, eine Konzertreihe zu machen, die über die Region hinausstrahlt und Publikum von weither an die Mosel lockt, wie es sich noch vor wenigen Jahren mit Star-Auftritten eines Grigori Sokolow, einer Magdalena Kozená oder einem Kit Armstrong zeigte, scheinen die Träger des Festivals wohl nicht weiter zu verfolgen. Von daher rührt auch die Ambivalenz der Programmvorschau: Intendant und Gesellschafter empfehlen ein Programm, von dem sie wissen, dass es so sehr wie vielleicht noch nie von Sparzwängen begrenzt wurde.

Transparenzhinweis. Der Kostenanteil der kommunalen Gesellschafter beträgt laut Intendant Scharfenberger 15,6 Prozent und nicht, wie in einer früheren Fassung dieses Artikels zu lesen war, ein Drittel. Rechnet man jedoch den Landeszuschuss hinzu, der jährlich neu zu beantragen ist, ergibt sich eine öffentliche Förderung von rund 30 Prozent. Gesellschafter sind die Landkreise Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell und Trier-Saarburg, Stadt und Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues sowie die Stadt Trier.

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