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Kommentar zur Energiewende in Rheinland-Pfalz:​ Das Land zeigt zu wenig Mut

Meinung : Kommentar zum verfehlten Ausbauziel in Rheinland-Pfalz: Das Land muss mehr Mut zeigen bei der Energiewende

Hier und da läuft es gut mit dem Ausbau von Windrädern und Solarparks in Rheinland-Pfalz. Das täuscht aber darüber hinweg, dass die Ausbauziele derzeit in weite Ferne gerückt sind. Die Landesregierung muss mutiger vorangehen, kommentiert unser Landeskorrespondent Sebastian Stein.

Es sind derzeit einzelne Großprojekte oder ambitionierte Gemeinden und Kreise, die einen Weg aufzeigen. Einen Weg, wie die Energiewende gelingen kann. Und einen Weg raus aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Doch die vielen Windräder auf den Hügeln im Rhein-Hunsrück-Kreis und die großen Solarparks auf den Ackerflächen in der Eifel täuschen über etwas hinweg. Die Landesregierung ist im vergangenen Jahr krachend am Ausbauziel gescheitert, die ersten Zahlen für 2022 lassen nichts Besseres erwarten.

Beim Bau von Photovoltaikanlagen geht es seit fünf Jahren zwar stetig bergauf, doch 2021 hat man mit 264 Megawatt gerade einmal die Hälfte des jährlich avisierten Ziels erreicht. Viel größer ist das Drama bei der Windenergie. 68 von 500 nötigen Megawatt Energie waren es im vergangenen Jahr. So wenig wie lange nicht mehr.

Dabei hat sich die zweite Ampelregierung im Koalitionsvertrag so deutlich wie nie der Energiewende verschrieben - und das Ziel 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 ausgerufen. Davon ist Rheinland-Pfalz noch weit entfernt. Sicher, die vergangenen Bundesregierungen tragen eine Mitschuld daran durch die verschlechterte Gesetzgebung. Und dass die Landesregierung untätig ist, kann man nicht behaupten. Viel verspricht man sich von schnelleren Genehmigungen, die künftig nicht mehr Kommunen, sondern die übergeordneten Behörden übernehmen sollen. Und kürzlich haben sich mit dem neuen Landesentwicklungsplan deutlich bessere Bedingungen für den Ausbau eröffnet. Nun könnte man vermuten, es geht jetzt sofort steil bergauf. Aber das ist kein Selbstläufer.

Denn es gibt noch zu viel Widerstand gegen neue Projekte, zu viele Klagen gegen Planungen, zu wenig Anreize - und auch zu träge Kommunen. Die Landesregierung muss den Plan deshalb mit Leben füllen, die Klimaschutzministerin Katrin Eder muss stärker die Führung übernehmen. Nicht jeder Bürgermeister oder jedes Ratsmitglied ist Experte für erneuerbare Energien. Das Land sollte deshalb in den Kommunen werben, unterstützen, beraten. Und wenn die Ampel es wirklich ernst meint mit der Energiewende, muss sie sich auch mal den Gegnern in den Weg stellen.