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Konservative Reflexe

Konservative Reflexe

Das klare Votum der Hamburger Eltern gegen ein längeres gemeinsames Lernen im Grundschulalter ist sicher ein gelungener Beitrag zur Stärkung der direkten Demokratie gewesen. Ein gutes Signal für die angebliche Bildungsrepublik Deutschland war es nicht.



Die CDU dürfte es sich künftig drei Mal überlegen, ob sie mit einer Schulreform die bürgerlichen Wähler gegen sich aufbringen will. Und auch bei den sonst so fortschrittlichen Grünen wird mancher vorsichtiger werden. Grüne Sympathisanten mögen radikal für Bio-Kost und gegen Atomkraft sein, aber wenn es um die Bildung ihrer Kinder geht, dominieren offenkundig konservative Reflexe.

Dabei hätte das gesamte Land eine Bildungsrevolution dringend nötig. Haupt- und Realschulen in Bayern, Sekundarschulen in Thüringen, Gesamtschulen in Nordhein-Westfalen - wer mit seinen Kindern von einem Bundesland ins andere umzieht, dem ist die zerklüftete Schullandschaft ein Graus.

Wahr ist auch, dass vor allem sozial Schwache und Kinder aus Migranten-Familien die Leidtragenden dieses Flickenteppichs sind. Für sie kommt die Aufteilung in weiter führende Schultypen oftmals viel zu früh. So wird ihnen der Weg zu einem höheren Bildungsabschluss schon in jungen Jahren verbaut.

Dabei ist Deutschland auch auf sie immer stärker angewiesen, denn die moderne Arbeitswelt setzt ein wachsendes Maß an Qualifikation voraus.

Dieses Problem lässt sich schwerlich dadurch lösen, dass man das Gymnasium heiligspricht. Kinder aus bildungsfernen Haushalten brauchen bundesweit koordinierte Angebote, um der Misere entkommen zu können. Aber danach sieht es angesichts des jüngsten Volksentscheids in Hamburg leider nicht aus.

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