1. Meinung

Kreativität ist auch fürs Personal gefragt

Kreativität ist auch fürs Personal gefragt

Betriebe werden ohne Umdenken scheitern.

"Sich bewusst als attraktiver Arbeitgeber in der Region positionieren": Das ist nicht nur der Wunsch von Wirtschaftskammern und Arbeitsagentur, sondern das fordert auch rein faktisch der regionale Arbeitsmarkt von den rund 35 000 Unternehmen in Handwerk, Handel und Industrie zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück.
Denn der demografische Wandel wird die Lage in Zukunft noch verschärfen und den Bedarf an Fachkräften weiter anheizen. Schon heute können zwei Drittel der Betriebe ihren Bedarf an Auszubildenden nicht decken, sind gut 4700 Stellen offen und werden Aufträge in vielen Branchen erst mit Wartezeit oder Verzögerung abgearbeitet. Gehen in zehn Jahren erstmal die Babyboomerjahre in Rente, wird die Lage noch dramatischer. Denn dann wird laut Experten in manchen Betrieben jede fünfte Stelle frei. Und wer soll die besetzen?
Wenn immer weniger Mitarbeiter auf den Arbeitsmarkt kommen, der Kampf um die Ressource Mensch immer härter geführt wird, dann müssen sich gerade diejenigen Betriebe Sorgen machen, die ihr Business as usal, also so wie immer schon, führen. Wer als Chef der Ansicht ist, dass Mitarbeiter auf ihn zukommen müssen, wer hofft, dass die Bewerber Schlange stehen, der hat die Zeichen der Zeit (noch) nicht erkannt.

Wie soll das also gehen, sich attraktiv positionieren? Viele Betriebe machen es bereits vor, werben um neue Mitarbeiter so wie um ihre Produkte auf dem Weltmarkt. Sie geben sich Mühe bei der Rekrutierung und scheuen sich auch nicht, wertvolle Mitarbeiter unter arbeitslosen Problemgruppen zu finden. Wer sich selbst offensiv in der Öffentlichkeit präsentiert, das Unternehmen nicht als Selbstzweck, sondern als Ergebnis einer Teamarbeit sieht und für den moderne Technik und Digitalisierung keine Fremdwörter sind, wird sich kaum um seine Attraktivität sorgen müssen. Kreativität ist nicht nur im Marketing und der Verbesserung der Strukturen gefragt, sondern auch beim Personal, und das bereits bei der Ausbildung.

s.schwadorf@volksfreund.de