1. Meinung

Krisenmanagerin auf dem Drahtseil

Krisenmanagerin auf dem Drahtseil

Alternativlos ist Angela Merkels Griechenland-Politik nicht. Fast täglich werden ihr Varianten angeboten.

Die eine, von links, lautet, man solle dem Land neue Hilfen geben, mindestens einen Zeitaufschub. Die andere, aus den eigenen Reihen, besagt, dass man das Land zur Drachme zurücktreiben soll.
Doch mit heißen Herzen und losen Zungen lässt sich diese Krise nicht lösen. Philipp Rösler, Markus Söder und Volker Kauder sollten aufhören, der Kanzlerin in den Rücken zu fallen. Vorerst ist ihr Versuch, eine Balance aus Hilfen und Druck aufrecht zu halten, genau richtig. Selbst Frankreichs François Hollande ist jetzt auf diese Linie eingeschwenkt.
Mehr als einen freundlichen Empfang und die Vertröstung darauf, dass man den Prüfbericht der Troika Ende September abwarten müsse, konnte Griechenlands Premier Antonis Samaras deshalb am Freitag in Berlin nicht erwarten.
Griechenland muss, wenn irgend möglich, im Euro bleiben, weil das Scheitern ein Fanal für die Schwäche der Währung wäre. Und weil Europa nur funktioniert, wenn es sich als Gemeinschaft auch in der Not versteht. Das ist das eine Ziel, das Merkel anders als andere Koalitionspolitiker gestern noch einmal wohltuend deutlich formuliert hat. Das zweite: Der Druck auf Athen, Wirtschaft, Sozialsysteme und Staat grundlegend zu reformieren, darf nicht weggenommen werden. Blankoschecks würden auf Dauer niemandem helfen, am wenigsten den Griechen. Und die Bevölkerung in Deutschland würde sie nicht akzeptieren.
Bisher hat Merkel die Griechenland-Krise gut gemanagt. Gelöst hat sie sie nicht. Und es wäre sicher auch besser gewesen, wenn sie ihre Linie einmal der griechischen Öffentlichkeit direkt erklärt hätte. Kein einziger Besuch seit der Krise in Athen, nur ein einziges Interview für griechische Medien, das ist beschämend wenig. Die Menschen dort haben es nicht leicht. Jetzt ist es fast zu spät, um das noch zu korrigieren.
Ob Griechenland es schafft, ist noch nicht ausgemacht. Skepsis ist angebracht, Wohlwollen aber auch. Der Sachstandsbericht der Troika Ende September ist die nächste Hürde, ebenso die Verabschiedung des neuen Sparpakets der Regierung Samaras. Im Oktober muss Angela Merkel und letztlich auch der Bundestag dann entscheiden, ob der Daumen für Griechenland zunächst weiter oben bleibt oder ob er sich senkt. Ob und wie viel Zeit, Geduld und vielleicht sogar Geld es noch einmal gibt. Dann ist die Stunde der Wahrheit.
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