Krisenstimmung

Krisenstimmung

Irland, Portugal, Griechenland, Italien - und bald nun auch die USA? Zunächst scheint es unvorstellbar, dass die Weltwirtschaftsmacht Nummer eins die Riege jener Nationen erweitert, die deutlich über ihre Verhältnisse leben und deshalb in Richtung Staatsbankrott steuern. Werden es die zuletzt von EU-Politikern gescholtenen Rating-Agenturen tatsächlich wagen, erstmals auch die Bonität Washingtons deutlich in Zweifel zu ziehen? Eine Herabstufung wäre in der Tat ein spektakuläres Signal, das eine neue Finanzkrise auslösen und somit Wellen auch bis nach Europa schlagen könnte.


Doch soweit wird es wohl nicht kommen. Das erbitterte Tauziehen um die Erhöhung der Schulden-Obergrenze ist in den USA kein neues Phänomen und wird vor allem mit Blick auf das Wahljahr 2012 nun im Exzess praktiziert. Düstere Mahnungen aus dem Weißen Haus, die es auch gestern wieder gab, gehören dabei zur Tagesordnung und zum politischen Spielplan. Barack Obama versucht sich hier geschickt als Mittler zwischen den verhärteten Fronten zu profilieren und gleichzeitig vom beim Wähler ungeliebten Kongress zu distanzieren. Weil er damit auch sein Prestige als "Macher" in die Waagschale wirft, dürfte es innerhalb der nächsten zehn Tage eine Einigung geben, die dann alle Beteiligten als Sieg der Vernunft feiern werden. Welche Kongresspolitiker und welcher zur Wiederwahl antretende Präsident wünscht sich schon, mit einem zweiten Erdbeben an der Wall Street verbunden zu werden? Eines darf allerdings nicht übersehen werden: Eine Anhebung der Schuldengrenze als kurzfristiger Rettungsanker vertagt einmal mehr das Kernproblem eines ausufernden Staatshaushaltes auf die folgenden Generationen, wird diese Maßnahme nicht mit wirklich einschneidenden Sparprogrammen verknüpft.