Landesregierung steckt im Dilemma

Landesregierung steckt im Dilemma

Eine grandiose Erkenntnis bahnt sich dieser Tage ihren Weg in die Hinterköpfe der Verantwortlichen für den Nürburgring: In der Eifel ist es im Winter kalt. So kalt, dass die erhofften Besucher lieber zu Hause bleiben oder in den sonnigen Süden fliegen, anstatt sich im pompösen, mit dem Etikett "ganzjährig" gepriesenen Freizeit- und Geschäftszentrum an der Rennstrecke zu vergnügen.

In dessen Betonbauten wird, wie schon so oft seit der Eröffnung im Juli 2009, gähnende Leere herrschen. Der Entschluss reift, den Park vorübergehend ganz oder teilweise zu schließen.
Das Problem an der Geschichte: Die damalige SPD-Alleinregierung hat 2008/2009 in der legendären "Grünen Hölle" 330 Millionen Euro verbauen lassen. Und es werden hohe Umsätze benötigt, um die Investitionen zu refinanzieren, die sich kaum in acht oder neun Monaten erzielen lassen.
Hinter dem Einsatz der Mittel standen anerkennenswerte strukturpolitische Erwägungen. Entstanden ist aber ein überdimensioniertes Angebot, das so offenbar niemand braucht und schätzt.
Kritiker sagen schon lange: Das Geld ist buchstäblich in den Sand gesetzt worden.
Hinter den freundlichen öffentlichen Worten "saisonale Anpassung der Öffnungszeiten" verbirgt sich in Wahrheit ein Dilemma.
Trotz aller vollmundigen Ankündigungen im Landtagswahlkampf von Ministerpräsident Kurt Beck oder dem damaligen Wirtschaftsminister Hendrik Hering trägt das gepriesene "Zukunftskonzept" anscheinend nicht.
Sonst würden die privaten Betreiber wohl kaum fieberhaft darüber nachdenken, für wesentliche Bestandteile des Freizeitparks wie das Ring-Werk, die Ring-Arena und den Boulevard neue Konzepte zu ersinnen.
Im Prinzip lässt sich der Teufelskreis nur auf zwei Arten durchbrechen: Entweder werden neue Konzepte umgesetzt und weitere Millionen für die dann notwendigen Umbauten investiert, was dem Steuerzahler kaum zu vermitteln ist. Oder der ganze Komplex wird dauerhaft geschlossen.
Das wäre zwar das Eingeständnis des Scheiterns auf ganzer Linie, aber wenigstens fielen dann keine Folgekosten mehr an.
Man darf gespannt sein, was der nun verantwortliche Innenminister Roger Lewentz und die rot-grüne Landesregierung insgesamt als das kleinere Übel betrachten.
f.giarra@volksfreund.de