1. Meinung

Landesvater auf Abruf

Landesvater auf Abruf

"Wenn meine Gesundheit es zulässt, bleibe ich bis 2016 im Amt." Schwer zu sagen, wie oft der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck diesen Satz seit Beginn der heißen Phase des vergangenen Landtagswahlkampfs gebetsmühlenartig wiederholt hat.

2016 - das wäre bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode. Der seit Oktober 1994 als Landesfürst regierende Pfälzer feiert dann seinen 67sten, wäre also im richtigen Alter für die Rente.
Doch dazu wird es nicht kommen. Der Dinosaurier unter den deutschen Ministerpräsidenten wird auf jeden Fall früher abtreten; allein schon, um seinem Nachfolger ausreichend Zeit zur Profilierung einzuräumen - bevor wieder gewählt wird.
Nach der jetzt losgetretenen Diskussion ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Pfälzer Sozialdemokrat noch in diesem Jahr von der großen politischen Bühne abtritt.
Macht Kurt Beck das nicht, wird aus dem Schrittmacher eine lahme Ente, den die Opposition mit Genuss attackiert. Es ist nicht auszuschließen, vielleicht sogar wahrscheinlich, dass die Informationen über die just begonnene Nachfolgediskussion aus SPD-Kreisen an die Medien lanciert worden sind. Der mögliche Hintergedanke: Mal schauen, wie sich die Diskussion entwickelt.
Beck habe keine Lust mehr, sagen Genossen, die den Langzeit-MP und -Parteivorsitzenden seit Jahrzehnten kennen. Sein Ansehen bröckelt weiter, wie jüngste Umfragen zeigen. Und die potenziellen Nachfolgekandidaten stehen ohnehin fest. Realistische Chancen haben nur Bildungsministerin Doris Ahnen, Infrastrukturminister Roger Lewentz und SPD-Fraktionschef Hendrik Hering. Alle drei sind Ende 40, in der Partei fest verankert und haben unter Beweis gestellt, dass sie Themen setzen und führen können. Aber reicht das für die Nachfolge eines volksnahen Landesvaters aus? Zu Hendrik Hering passt dieses Image am allerwenigsten. Im direkten Sympathie-Duell mit einer CDU-Herausforderin Julia Klöckner wäre er chancenlos. Anders Roger Lewentz, von dem auch die Schwarzen sagen, dass er der unbequemste Gegner wäre. Sein Manko: Der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister hat mit dem Nürburgring und dem Flughafen Hahn gleich zwei tickende Zeitbomben in seinem Ressort. Roger Lewentz müsste die Beck-Nachfolge also schnell antreten, noch bevor ihn eines seiner beiden Problemkinder womöglich in arge Bedrängnis bringt.
Zieht sich die Nachfolgediskussion hin, könnte alles auf die gebürtige Triererin Doris Ahnen zulaufen. Die Zeit für ein reines Frauenduell im nächsten Landtagswahlkampf wäre allemal reif.
r.seydewitz@volksfreund.de