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Machtspiele zeigen: Es gärt in AfD in Rheinland-Pfalz

Parteitag : Machtspiele zeigen, dass es in der Landes-AfD gärt

Es ist ihre liebste Legende, die die rheinland-pfälzische AfD gerne nach außen gebildet hat: Ihr Landesverband sei harmonisch, ein Vorbild  mit Blick auf zerstrittene Lager im Bund und anderen Ländern. Der Landesparteitag vom Wochenende hat die Legende nun als Schönfärberei entlarvt, die inzwischen der Grundlage entbehrt.

Viel mehr zeigt sich, dass die Landespartei, die sich gerne als Kämpfer gegen das sogenannte Establishment bezeichnet, mit dem Einzug ins Parlament schneller als gedacht in der Welt der knallharten Politik angekommen ist. Die ausgefochtenen Konflikte beim Parteitag verdeutlichten weniger inhaltliche Differenzen als ein tiefes Misstrauen, das bei manchem lokalen AfD-Politiker gegenüber den Partei-Machteliten in Mainz ausgeprägt ist, die ihnen zu dominant geworden sind.

Auf Uwe Junge kommen nun harte Zeiten zu, die Wiederwahl des AfD-Chefs mit 74,6 Prozent kann darüber nicht hinwegtäuschen. Zum einen fiel das Ergebnis auch deswegen so deutlich aus, weil der 60-Jährige auf einen extrem schwachen, farblosen Gegenkandidaten getroffen ist, den in der Partei kaum ein Mensch kennt und der mit seiner Rede selbst Vorstandsgegner nicht mitreißen konnte. Zum anderen gab es bei den Anträgen von Junge-Gegnerin Christiane Christen durchaus knappe Ergebnisse, ob diese auf der Tagesordnung landen sollen. Der Verdacht der Ämterhäufung, den manches Basis-Mitglied hegt, ist so bei diesem Parteitag nicht mal ausgiebig ausgesprochen worden.

Und auch wenn der Auftritt von Christen zum Abschied als Parteivize wie ein letztes, wütendes Gefecht wirkte, bleibt auch der Führungsstil von Ex-Soldat Junge in der Kritik. Nur falls er nach innen moderater auftritt, hat er überhaupt eine Chance, ein immer weiter abdriftendes, kritisches Lager in der Partei zu halten.

Viel wahrscheinlicher ist aber, dass nach den Machtspielen das Misstrauen in der AfD weiter gärt und die oft beschworene Geschlossenheit der Vergangenheit angehört. Sollte das so bleiben, droht auch dem Vorsitzenden irgendwann ein blaues Wunder.

 Florian Schlecht
Florian Schlecht Foto: TV/klaus Kimmling

f.schlecht@volksfreund.de